Kinderstunde beim Wolferl Schäuble

Kinderstunde beim Wolferl Schäuble

Stamp Die Sendung mit der Maus, 1998
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Dass die Bundesregierung, genauer der Bundesminister der Finanzen Wolfgang Schäuble (CDU), einige Mühe haben dürfte, Otto-Doof-Bürger nicht nur die merkwürdige Groß- und Staatsbanken-Allianz der Neuzeit zu erklären – Motto: Dir Bürger, reiße ich jeden Cent aus der Tasche, den ich kriegen kann, um ihn den angeblich systemrelevanten Großzockbanken mit Handkuss zuzuschachern, ist ja nichts Neues. Im Grunde bin ich auch ein Fan der These, daß unser hochgeschätzter Kapitalismus ein einziges wunderbares Kettenbriefsystem ist (s. dazu auch das aufschlussreiche Buch: Ohne Schulden läuft nichts von Thomas Strobl).

Damit alle sich fröhlich weiter verschulden können, um zu investieren (und dadurch Arbeitsplätze zu schaffen), braucht’s halt Banken, und weil wir fleißigen Deutschen so herrlich viel exportieren, kommt so herrlich viel Geld von Schuldnern aus dem Ausland zu uns, das  anschließend wieder angelegt sein will und in Folge herrlich um den Globus vagabundieren kann, um noch größere Rendite in die Scheuer zu fahren. Welche Ausmaße ein solcher schöpferischer Circulus vitiosus pecuniae haben kann, hat die jüngste Finanzkrise gezeigt: Da wird gejunkt und gemüllt, gepackt und zusammengeschrottet, was nie im Leben je zurückgezahlt hätte werden können – Hauptsache: der Zins (Rendite) stimmt. Nun, solange alle von so einem System völlig besoffen (zugekokst oder sonst was) sind, funktioniert die Schraube ja auch – und alle sind fröhlich. Oder sind Sie etwa noch nie auf die Idee gekommen, vielleicht doch für mehr als 5 Prozent Tagesgeld bei einer untergegangenen isländischen Kaupthing-Bank anzulegen, na?!!

Blöd nur, wenn plötzlich einer merkt: Hoppla, alle diese Schulden werden ja nie zurückgezahlt. Schon springen alle wie die Lemminge Richtung Abgrund, jammern herum, die Banken versuchen, ihre Schrottpapiere schleunigst loszuwerden, damit ihre Anteilseigner nicht so herummosern, Kredite werden gebunkert und nicht mehr ausgereicht, weil die Banken nach wie vor ja immer noch die Wahl haben, ob sie lieber mit virtuellen Papieren und ordentlicher Rendite zocken oder mühselig an langweilige Unternehmen riskante und schwer einschätzbare Kredite aushändigen. Husch, husch, deshalb also müssen wir in Windeseile nicht nur Milliardenpakete für irgendwelche Banken hierzulande schnüren (von Hypo Real Estate über Landesbanken bis zur Commerzbank und dem sog. SOFFIN, von dem bis heute keiner so recht weiß, nach welchen Kriterien nun genau welche Institute nach welchem Schlüssel bedient werden). Damit natürlich nicht genug: Weil unsere ach so „vernetzten“ Bankendickschifflein aber offenkundig so gründlich danebenlagen mit ihren Risikoeinschätzungen in der Vergangenheit (hm, das wäre ihnen nach Basel II und III bei einem Mittelständler garantiert nie passiert), heißt es plötzlich: Rettungsschirm des Staates aufspannen. Mit anderen Worten: Lieber Steuerzahler, ich, Staat, bin zwar völlig unfähig, für die notwendige Infrastruktur in Sachen Verkehrswege-Netzausbau, Hochgeschwindigkeitsdatennetze, Bildung und Mittelstandsförderung zu sorgen (weil ja kein Geld dafür da ist). Dafür musst Du, doofer Bürger, aber doch bitte jetzt gefälligst auf Deine private Kappe die Mehrkosten tragen, die wegen der Zockerei der Banken entstanden sind: Schließlich wollen die ja nicht auf ihrem Giftmüll sitzen bleiben, den schieben wir also lieber Dir, Bürgerlein, zu. Auch das, lieber Leser, ist im Grunde nicht wirklich neu, also: Alles ganz normal.

Nun liegt es mir fern, irgendwelche Verschwörungstheorien zu befeuern, denen zufolge Finanzbranche, Banken und Staat sich hier zusammengerottet hätten, um in großem Stil tatsächlich in böser Absicht den Bürger auszunehmen. Nein, das halte ich für eine leider tatsächlich unangenehme Begleiterscheinung, die wir Rendite- und Gewinnjäger (sagen Sie jetzt bloß nicht, Sie wären keiner) halt in Kauf nehmen müssen, wenn wir weiter von diesem System profitieren möchten. Finanzsystem =  Aufschwung + Krise + Kollaps + Aufschwung usf.

Ärgerlich finde ich allerdings dann doch den Stil, mit der die Politik versucht, einen immer noch für dumm zu verkaufen. Lesenswert dazu auch der Beitrag meines Bloggerforum-Wirtschaft-Kollegen Dirk Elsner zum Stresstest-Affentheater, mit dem uns die gesamte Szene noch vor ein paar Wochen die angebliche Kandare vorgaukeln wollte, an die zu legen Väterchen Staat die Banken angeblich sich gemüht hatte. Papperlapapp. Damit aber nicht genug: Jetzt gibt der behauptet ach so klamme Finanzminister wiederum vermutlich einen chicen Millionen-Etat dafür aus, dem Bürger mit kleinen Video-Clippchen à la Sandmännchen oder Sendung mit der Maus in infantiler Propaganda-Manier „erklärt“, warum die dicken Bankenschifflein, die ja beim Untergehen sonst so viele kleine andere Schifflein in den schwarzen Meeresgrund reißen würden, unbedingt systemrelevant gerettet werden „müssen“.

Also gibt’s vom ganz gewiss sauteuren Werber PIXELPARK dieses wirklich grottendämliche, allerdings putzig gezeichnete Kindervideo für den dummen kleinen deutschen Michel, damit er das alles ja auch richtig versteht und er brav das Türlein öffnet, wenn das Adentsvollstreckerlein vom Finanzämtelein vor seinem Zuckerbäckerhäuschen steht – um, brav verbeamtet, sein Scherflein zu holen. Gell?

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