Griechenland und Kapitalknappheit drücken Märkte oder spielen Großinvestoren nur?

Die Renten-, Aktien- und Devisenmärkte sind gestern einmal mehr durch die europäische Schuldenkrise und schlechte US-Daten heftig durchgeschüttelt worden. Die über die Preise von Credit Default Swaps gemessenen Risikoprämien für Griechenland und einige weitere Eurostaaten sind jedenfalls in den letzten beiden Tagen noch einmal kräftig gestiegen (siehe CDS-Reports Alphaville Mittwoch, Donnerstag). Das dürfte auch den Banken so langsam Schweißperlen auf die Stirn treiben, denn es droht Wertberichtigungsbedarf zum letzten Handelstag des Monats.

Möglich, dass in diesen Tagen einfach nur das “große Kapital” knapper wird, weil chinesische Banken ihr Kapital ebenfalls laut Alphaville und der FT kräftig angehoben haben. In den USA verunsichert zusätzlich die Lage in Kalifornien, auch hier sind die Risikoprämien kräftig gestiegen (siehe Zerohedge). Die Ratingagenturen tragen mit skeptischen Aussagen zu Griechenland ebenfalls nicht zur Stimmungsaufhellung bei (siehe Spon). Unterdessen wird, so schreibt die FAZ, in der Londoner City in der spekulationsfreudigen Händlerszene gewettet, dass Großbritannien und das Pfund eines der nächsten Opfer an den Finanzmärkten sein könnten.

Ein anderes Szenario wäre, dass die Märkte einfach nur spielen, denn nach Informationen des Wall Street Journals will Griechenland nächste Woche neue Anleihen am Markt platzieren. Da passen getrübte Stimmung und steigende Risikoprämien gut in das Konzept einiger Großinvestoren. So wird nämlich die Rendite kräftig nach oben getrieben. Nach Platzierung der Anleihen könnte sich die Lage dann schnell wieder beruhigen. “Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass interessierte Anleger die Märkte so spielen,” darf ich einen ungenannten Rentenhändler einer Bank zitieren.

Und so wirklich will ich nicht an die journalistische Recherchekraft glauben, wenn das Handelsblatt von einem “geheimen Treffen” der Hedge Fonds spricht, die den Euro ins Visier nehmen wollen. Deren vermeintliches Kalkül: “Der Euro fällt auf Parität zum Dollar – für Fonds-Manager die Gelegenheit, noch einmal richtig Kasse zu machen.”  Das Blatt bezieht sich auf einen Bericht im Wall Street Journal, das sogar die Teilnehmer kennen will: SAC Capital, Advisors LP, Soros Fund Management LLC. Wenn diese Fonds etwas geheim machen wollen, dann bleibt das geheim. Wenn etwas durchsickern soll, dann findet man einen weg und sollte sich eher fragen, warum das durchsickern soll.

Die Profis aus Politik und geldpolitischen Institutionen verhalten sich in dieser Gemengelage, die alle Zutaten für eine weitere Verunsicherungswelle und Ansteckungsgefahr trägt, unterdessen ausgesprochen unprofessionell. Frau Merkel redet den Euro schlecht, in Griechenland wird über den Stinkefinger diskutiert und zwischen Bundesbank/EZB und dem IWF ist es zu einem absurden Streit gekommen, zum IWF-Vorschlag, die Inflation anzufeuern. Hier fehlt eindeutig eine international akzeptierte wirtschaftspolitische Leitfigur.

Da kommt der Warnschuss vom Chef der Direktor der Deutschen Finanzagentur, Dr. Carl Heinz Daube, genau richtig, in dem er die Konsequenzen einer griechischen Staatspleite für den Euro aufzeigt: “"Sollte eines der 16 Euro-Mitgliedsländer pleite gehen, würde das gesamte System zusammenbrechen", zitiert ihn die FTD. "Das wäre das Ende für die Währungsunion."

Unterdessen graben Medien immer mehr Details zu den Schulden-Deals Griechenlands mit den Investmentbanken aus. Beispielhaft dazu der Beitrag “Details on those other Greek debt deals” von Alphaville. Die US-Fed will laut Medienberichten jetzt außerdem die Geschäfte mit Kreditderivaten einiger US-Investmentbanken überprüfen (siehe auch Bericht in der NYT). Siehe zu der Zahlen-Trickserei der Investmentbanken auch:

Über den Coveritlive-Twitter-Stream gibt es unten automatisch aktualisiert Updates wichtiger Meldungen ausgewählter Medien zum Thema. Einfach auf den Startbutton drücken.

Schreibe einen Kommentar