Automatischer Börsenhandel: Hochfrequenzinformationen von Reuters für High-Frequency Trader

In den USA findet derzeit eine intensive Debatte (gut über Zero Hedge zu verfolgen) statt über Nutzen und Gefahren des sogenannten High-Frequency-Tradings (Hintergrund im WSJ unter: What’s Behind High-Frequency Trading). Solche Debatten schwappen wie am gestrigen Mittwoch auch mal nach Deutschland, wenn man daraus düstere Schlagzeilen stricken kann, wie etwa die FTD, die gestern einen Artikel mit  “Computer-Handel weckt Ängste um Börsenkollaps” betitelte.

Viel interessanter war freilich eine Information, die bisher nicht den Weg in deutsche Medien fand. Einer Pressemitteilung war zu entnehmen, dass der Datenanbieter Thomson Reuters einen neuen Service anbietet, damit “Hochfrequenzhändler” in London und Chicago maschinenlesbare Nachrichten verarbeiten können. Mit dem Service “NewsScope Direct” bietet Reuters in “Mikrosekunden” die Auslieferung hochgradig strukturierter Nachrichten und wirtschaftlicher Daten an, die automatisch verarbeitet und in Handelsstrategien umgesetzt werden können. Dies kann insbesondere dann aus Sicht der handelnden Bank sinnvoll sein, wenn marktbewegende Daten veröffentlicht werden. Insbesondere auf den Futures- und Devisenmärkten profitieren gerade die Händler von Informationen, die am schnellsten auf Neuigkeiten reagieren.

Im Klartext bedeutet dies aber auch, es findet gar keine Prüfung der Information mehr statt, sondern das Handelssystem reagiert auf Basis eines programmierten Algorithmus vollkommen selbständig. Für menschliches Eingreifen bleibt keine Zeit mehr, weil dann der Zeitvorsprung verloren ginge. Der Blog der FT, Alphaville, findet das zwar “fascinating stuff”, wirft aber gleichwohl ein paar kritische Fragen auf (hier zum nachgesen). Alphaville spinnt die Idee sogleich weiter:

“For instance, when Thomson Reuters-rival Bloomberg was first exploring the possibility of machine-readable news, it was rumoured  be developing a system that would crudely code company stories with `buy’ or `sell’ signals. The problem, supposedly, was the labelling, or code-tagging of reports, by journalists. If a company released full-year results which beat expectations, but gave a negative outlook for the next financial year, would the code be `buy’ or `sell’ ?”

Und der Wettlauf mit der Zeit lässt sich noch weiter spinnen. Warum soll man erst warten bis ein Journalist die Daten weitergibt. Die Daten könnten ja gleich direkt vom System an der Quelle, also vom Unternehmen oder der Behörde weitergegeben werden. Oder wie wäre es damit, die automatischen Handelssysteme gleich an die Buchhaltungs-, Controlling- oder Statistiksysteme der Betrieb und Institutionen anzuschließen? Und vielleicht geht es ja noch schneller, wenn man analog zum “Volks-Seismografen” Twitter-Meldungen auswertet und auf Basis von Tweetclustern die Computer handeln lässt.

Lassen wir den Blick in Zukunft des “Nanohandels” einfach sacken und betrachten abschließend eine Auffälligkeit, die etwas mit dem Dienstleister zu tun hat. Der Datenlieferant Thomson Reuters will also Geld mit High-Frequency Tradern verdienen. Schon interessant, dass dem Nachrichtenanbieter Reuters aufgefallen ist, dass der von Obama vergangenen Woche Bankenplan veröffentlichte Bankenplan den Mikrosekundenhandel empfindlich einschränken kann. Unter Reuters.com beschäftigt sich eine längere Agenturmeldungen damit, wie der Vorschlag diesen Handel und die daraus entstandenen Unternehmen beeinträchtigt: Obama’s bank plan could level high-frequency field. Vielleicht kann uns ja mal jemand vom Fach erklären, wie Reuters hier die journalistische Unabhängigkeit gewährleistet.

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