Wer "spekuliert" eigentlich gegen Portugal?

13. Januar 2011
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Die Anleiheauktion Portugals lief gestern deutlich besser, als dies viele Beobachter erwartet haben. Aus dem Zinsschnäppchen für Investoren ist also vorerst nichts geworden. Ob es wirklich nur eine kurze Atempause ist, wie die Wiwo glaubt, oder damit so eine Art Turnaround der EURO-Schuldner geschafft ist, wird man frühestens in einigen Monaten wissen. Den Skeptikern muss man aber nicht zwingend glauben schenken, wie ich finde.

Es war aber klar, dass im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Refinanzierungsrunde im europäischen Schuldendomino wieder ein Schlaglicht auf die Finanzmärkte fällt und die “Spekulanten” in den Mittelpunkt rücken. “Finanzmärkte nehmen Portugal in die Zange” titelte das Manager Magazin auf seiner Webseite. Es fehlen eigentlich noch die typischen Empörungen gegen die Marktteilnehmer, die Portugal, Spanien und Italien zu Fall bringen wollen. Die Märkte, so ein immer wieder geäußerter Vorwurf, ignorieren die Anstrengungen der Eurozone oder die Finanzmärkte haben sich gegen den Euro oder Portugal verschworen, sind die wiederkehrenden Plattitüden. Unklar bleibt stets, wer eigentlich mit den “Märkten” gemeint ist.

Tatsächlich ist die Frage, wer eigentlich “gegen” Portugal oder den Euro "spekuliert" ganz einfach zu beantworten. Das sind zunächst einmal ganz normale Marktteilnehmer, wie Banken, Investmentfonds, Versicherer, Pensionskassen, Staatsfonds und natürlich auch Privatpersonen. Portugiesische Anleihen fallen im Preis (vice versa steigt der Zins), wenn die Nachfrage nach diesen Papieren zurück geht. Und ist es Spekulation, wenn ein Lebensversicherer, der das Geld seiner Kunden ja irgendwie anlegen will, nicht in portugiesische Anleihen investiert, sondern in aus seiner Sicht sicherere Produkte in anderen Währungen? Wohl kaum. Aber gerade auch diese Zurückhaltung bestimmter Investoren erzeugt den Preisdruck auf die Anleihen.

Und diese Zurückhaltung wird gerade durch die hyperventilierenden Diskussionen der europäischen Politik verstärkt. Deutschland und Frankreich wollten Portugal möglichst bald unter den Rettungsschirm drängen, ist zu lesen. Die EU-Kommission dementiert dies. Und die Portugiesen selbst wehren sich gegen die deutsche Pleite-Prognose und weisen Spekulationen zurück, wonach das Land den Euro-Rettungsschirm in Anspruch nehmen werde. Das erinnert irgendwie an Irland. Hier hatte die Regierung bekanntlich ebenfalls wenige Tage vor der Inanspruchnahme des Rettungsschirm den Unterstützungsbedarf noch dementiert. Und tatsächlich bröckelt die Front bereits, denn nach einem Bericht der FTD schert die Notenbankerin Teodora Cardoso aus der Ablehnungshaltung aus.

Natürlich ist das der Stoff, aus dem an Finanzmärkten Zurückhaltung gefördert wird. Investoren mögen die Unsicherheit genau so wenig, wie Kleinanleger. Warum soll ich morgen portugiesische Anleihen zeichnen, wenn ich übermorgen die gleichen Titel mit einer Garantie des europäischen Rettungsfonds bekommen kann.

Natürlich gibt es andere Marktteilnehmer, die genau auf diese Form der Verunsicherung setzen und versuchen, daraus Gewinne zu erzielen. Als bekanntester Devisenmarkt-Spekulant ist der Hedge-Fonds-Manager George Soros in die Geschichte eingegangen, als er gegen das britische Pfund spekulierte und damit 1 Mrd. US$ verdient haben soll. Möglich, dass sein Platz von John Taylor eingenommen wird, Gründer des Devisen-Hedge-Fonds FX Concepts LLC mit Sitz in New York. Taylor gilt als Dollar-Fan und soll überzeugt sein, dass der Euro fallen wird. Entsprechend positioniert er seine Investments und verstärkt damit den Trend. Ist das zu verurteilen? Daneben gibt es vermutlich Hedge-Fonds, die auf eine europäische Erholung setzen und sich genau entgegengesetzt zu Taylor positionieren.

Daneben gibt es viele weitere Investoren, die in welcher Form auch immer Gelder für sich, ihre Kunden, Versicherten oder ihre Staatsbürger verwalten. Im vergangenen Jahr stellte der Blog Zero Hedge eine Präsentation zur Verfügung, mit den 15 wichtigen institutionellen Investoren, deren Verhalten ebenfalls auf die Märkte beeinflusst:

MS 15 Investors That Matter


Presseberichte zur Euro- und Portugalkrise

FAZ: Finanzschwache EU-Länder – Aufatmen nach gelungener Anleiheemission (12.1.11): Die EU-Kommission zeigt sich optimistisch, dass Portugal nach seiner gelungenen Anleiheemission ohne Hilfe anderer Mitgliedsstaaten auskommt. Von diesem Jahr an soll ein Wachstumsbericht die Grundlage für die Wirtschafts- und Haushaltspolitik der Staaten bilden.

FTD: Euro-Krise – Volkswirte halten Märkte für verrückt (12.1.11): Die Reaktionen der Anleihemärkte auf die europäische Schuldenkrise sind total überzogen: Diese These findet unter Ökonomen viele Anhänger. Ihr Argument: Die USA sind höher verschuldet als Portugal oder Spanien.

HB: Klammes Portugal vor Härtetest: Portugal will am Mittwoch neue Staatsanleihen am Kapitalmarkt platzieren. Dort machen derweil Gerüchte über eine Flucht des Landes unter den EU-Rettungsschirm die Runde. Ministerpräsident Sokrates betonte allerdings, sein Land werde keine internationale Finanzhilfe anfordern.

FAZ: AnleihenmärkteFonds meiden Euro-Krisenländer: Zahlreiche Marktteilnehmer erwarten seit dem vergangenen Sommer, dass sich die Schuldenkrise der Peripherie-Länder im ersten Quartal dieses Jahres ausweiten wird. Viele Fondsmanager rühren daher keine Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie mehr an.

HB: Wirtschaftswissenschaft: Theorien für die Bekämpfung der Euro-Krise: Viele Wirtschaftswissenschaftler haben sich 2010 mit der Finanzkrise beschäftigt. Mit konkreten Empfehlungen beeinflussten sie die Debatte zur Euro-Schuldenkrise. Die Politik griff diese Ideen auf – und sorgte mitunter für Furore.

Tagesspiegel: Portugal stemmt sich gegen den Markt: Deutschland, Frankreich und andere Eu-Staaten drängen darauf, dass das Land EU-Hilfen annimmt. Dadurch soll vor allem ein Übergreifen der Krise auf den größten Kreditgeber Portugals, das Nachbarland Spanien, verhindert werden.

Wiwo: Ökonomengipfel Wird der Euro überleben? Die Schuldenkrise in Europa und die Sorgen um den Fortbestand der Europäischen Währungsunion schlagen auch in den USA hohe Wellen. Auf dem Jahrestreffen der American Economic Association in Denver, dem größten Ökonomentreffen der Welt, diskutierten die Experten kontrovers, ob der Euro eine Überlebenschance hat.

FAZ: Euro-Krise – Gläubiger der Banken zittern mit Portugal: Geraten jetzt europäische Großbanken ins Wanken? Die Sorge wegen der Portugal-Krise wächst jedenfalls. Am Montag stiegen die Kosten für die Absicherung von Forderungen gegen Banken auf einen Höchstwert. Die EZB ist alarmiert und kauft verstärkt portugiesische Anleihen.

Welt: Währungskrise – Gutachter fordern Plan für Pleite von Euro-Staaten: Deutsche Regierungsberater halten eine harte Insolvenzordnung in Europa für unumgänglich. EU-Länder sollten eine Schuldenbremse einführen.

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