Deutsche Bank veröffentlicht Details zum Mittelstandsfonds (Update Presseerklärung)

2. Februar 2010
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Heute will der Deutschland-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen Einzelheiten zum sogenannten Mittelstandsfonds (aka Eigenkapitalfonds für den Mittelstand) vorstellen (Details dazu im Nachtrag).

Der auf einem “Gipfel Anfang Dezember im Kanzleramt” großzügig von Banken und Sparkassen angekündigte Mittelstandsfonds hat schon für Nachfragen gesorgt. Der Bundesverband der Deutschen Industrie übte bereits Kritik, weil das konkrete Konzept dazu nicht vorankomme (vgl. Süddeutsche). Der Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach, setzte nach. "Bislang sind allerdings nicht einmal die Startlöcher zu sehen, in denen der Fonds angeblich stehen soll."  (Süddeutsche)

Josef Ackermann sah sich nach der Kritik genötigt, die Wogen zu glätten und kündigte den Start noch im ersten Quartal an. Dieses Versprechen wird er einhalten. Sein Haus, das 300 Mio. Euro beisteuern will, habe vor Weihnachten dem Bundesfinanz- und dem Wirtschaftsministerium die Grundzüge des Fonds vorgestellt. (Quelle: FTD). Aus dem Fonds, in den Privatbanken und Versicherer einzahlen sollten, sollen mittelständische Firmen Eigenkapital zur Stärkung ihrer Kreditwürdigkeit bekommen können. Der Fonds ein wichtiger Stellhebel für den Erfolg mittelständiger Unternehmen, sagte der Bank-Chef. (Quelle: Welt). Staatsmittel soll der Fonds nicht benötigen, die Bundesregierung solle aber eine koordinierende Rolle spielen (Quelle: Focus).

Dennoch kommt die Vorstellung spät. Das zum Jahresanfang geäußerte Versprechen, der deutsche Mittelstand solle bereits im ersten Quartal auf den Fonds zugreifen können, wird wohl kaum einzuhalten sein. Selbst wenn heute die Einzelheiten skizziert werden, wird der Zeitplan aus logistischen und ablauforganisatorischen Gründen sehr knapp.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken wollen sich übrigens nicht an dem Projekt der Deutschen Bank beteiligen. Die Institutsgruppen verfolgen eigene Lösungen. So wollen etwa die Sparkassen ein Eigenkapitalprogramm in Form von Nachrangdarlehen auflegen. Die Mittel haben Eigenkapitalcharakter und würden damit die Chancen der Unternehmen erhöhen, Kredite zu erhalten (Quelle Handelsblatt Print v. 15.1.10, Achtung Link Paid Content). Neu ist dies freilich nicht, denn schon jetzt haben die Sparkassen Mezzanine-Finanzierungen (siehe Beispiel der Sparkasse Nürnberg) oder Eigenkapitalprogramme über ihre Beteiligungsgesellschaften.

Wer schon einmal mit einer Sparkasse über solche Mittel verhandelt hat, der weiß, dass die Bedingungen für solche Finanzierungen sehr restriktiv sind. Dass ausgerechnet durch die Finanzkrise angeschlagene Unternehmen über diesen Weg einfacheren Zugang zu Finanzmitteln erhalten sollen, halte ich für ausgesprochen unrealistisch.

Immerhin hat jetzt die Daimler AG erklärt, sich an dem Fonds der Deutschen Bank beteiligen zu wollen, zumindest werde dies geprüft, hieß es gestern. Dazu müssten aber zunächst konkrete Informationen vorliegen. Auch für Daimler Benz ist das übrigens kein Novum, denn schon jetzt ist Daimler etwa am High-Tech Gründerfonds beteiligt.

Egal, was heute vorgestellt wird, Herr Ackermann, der an allen Fronten kämpft, wird wohl wieder mit Kritik rechnen müssen. Bereits im Dezember hatten “Experten” das Projekt kritisiert. “Die Geldinstitute würden sich lediglich hinter dem Vehikel verstecken, eine Ausweitung der Kreditvergabe müsse von den Banken selber ausgehen,” schrieb das Handelsblatt. Solche Kritik ist verfrüht und nicht sachgerecht, denn der Fonds lässt sich ohne Kenntnis von Details gar nicht kritisieren. Auch der von der Deutschen Bank angekündigte Betrag in Höhe von 300 Mio. € (ich rechne allerdings mit einem deutlich höheren Betrag) ist niedrig. Bleibt zu hoffen, dass sich andere Banken und Unternehmen ebenfalls mit nennenswerten Beträgen beteiligen.

Die vom Blick Log favorisierte Lösung, nämlich eine “Peer-to-peer-Plattform für Eigenkapital” (siehe dazu auch den Beitrag Vom Neustart des Finanzsystems) wird es wohl nicht sein. Das wäre auch zu revolutionär für unsere Finanzlandschaft. Dabei hätten gerade die jetzt in Rede stehenden Beträge den Anschub darstellen und dann ein sich selbst tragendes Modell initialisieren können.

Dennoch, ich begrüße die Initiative der Deutschen Bank, selbst wenn sie heute von Kritikern gleich wieder als PR-Maßnahme geschmäht wird. Die Finanzierungsklemme wird dadurch zwar nur unwesentlich gemildert, dennoch hilft jeder zusätzliche Euro einem mittelständischen Unternehmen sich zu rekapitalisieren. Gleichwohl wird es weiterhin viele Unternehmen geben, die sich Alternative Gedanken zur Finanzierung machen müssen. Die finanzierungsklemme wird so also nicht gelöst werden. Aber seien wir doch erst einmal neugierig und schauen, was Herr Fitschen heute vorstellt.

Nachtrag

Mittlerweile sind Einzelheiten bekannt gegeben worden. Aus Zeitgründen kann ich nur auf die Pressemeldungen verweisen. Kurze Zusammenfassung auf Valuation-in-Germany.

Bemerkenswert, dass zwar hervorgehoben wird, dass das Fond – Management M Cap Finance zwar mit erfahrenen Bankern arbeitet, von Fachleuten aus dem Mittelstand ist aber nicht die Rede. Schade eigentlich, denn mittelständische Unternehmen haben aus verschiedenen Gründen Vorbehalte gegen diese Art Eigenkapitalfonds und Finanzinvestoren (dazu aber demnächst ein eigener Beitrag).

Aus der Presseerklärung: Deutsche Bank stellt "Mittelstandsfonds für Deutschland" vor:

"Deutsche Bank stellt "Mittelstandsfonds für Deutschland" vor
Ziel ist die Stärkung der Eigenkapitalausstattung im Mittelstand / Fonds ist offen für weitere Investoren und nimmt im ersten Quartal seine Arbeit auf / M Cap-Finance als externer Fondsbetreiber sichert Unabhängigkeit
Frankfurt am Main, 2. Februar 2010
Die Deutsche Bank hat heute den "Mittelstandsfonds für Deutschland" vorgestellt. Mittelständische Unternehmen erhalten aus dem Fonds Eigenkapital in Form von Genussrechten zu attraktiven Konditionen. Damit leistet der Fonds einen wichtigen Beitrag, die Eigenkapitalbasis des Mittelstands in Deutschland zu stärken."Durch eine Stärkung  des Eigenkapitals verbessert sich die Bonitätseinschätzung und der Finanzierungsspielraum eines Unternehmens erhöht sich", erläutert Jürgen Fitschen, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank bei der Vorstellung des Fonds. "Das externe Management durch M Cap Finance, der als externer Fondsbetreiber den Fonds verwaltet, erleichtert die Einbeziehung weiterer Investoren" so Fitschen. Zurzeit finden Gespräche mit weiteren potenziellen Investoren statt. "Wichtig ist uns, möglichst schnell am Markt zu sein, damit wir Unternehmen zeitnah unterstützen können" so Fitschen.

Der Mittelstandsfonds für Deutschland ist mit anfänglich 300 Mio Euro ausgestattet und nimmt schon im ersten Quartal seine Arbeit auf. Er richtet sich branchenübergreifend an zukunftsfähige mittelständische Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 100 Mio Euro. Mittel aus dem Fonds stehen auch Nichtkunden der Deutschen Bank zur Verfügung. Die Tranchen für eine Eigenkapitalbeteiligung liegen zwischen 2 Mio Euro und 10 Mio Euro. Der Fokus liegt dabei auf der Eigenkapitalstärkung, der Stabilisierung der Gesamtfinanzierung und der Wachstums- und Investitionsfinanzierung von mittelständischen Unternehmen. Die Laufzeit der Genussrechte liegt bei 7 Jahren. Da der Fonds Unternehmen Eigenkapital in Form von Genussrechten zur Verfügung stellt, bleiben die Mittelständler unabhängig in ihren unternehmerischen Entscheidungen.

M Cap Finance verwaltet als externer Fondsbetreiber den Mittelstandsfonds für Deutschland. Auf Grundlage der Investitionskriterien des Fonds trifft ein unabhängiger Investitionsausschuss die Anlageentscheidungen.

SZ: Finanzindustrie Deutsche Bank feiert tapfer Mittelstandsfonds

FAZ: Genussrechte – Kapital für den Mittelstand

FTD: Kampf gegen Kreditklemme Deutsche Bank hilft Mittelstand mit Mini-Fonds

Eigenkapital ist über den Kapitalmarkt oder Private-Equity-Beteiligungen aktuell nur für den gehobenen Mittelstand darstellbar. Öffentliche Förderprogramme mit Eigenkapitalcharakter sind meist nur in kleinteiligen Losgrößen vorhanden. Ein Teil der Wirtschaft wird somit von den vorhandenen Eigenkapitalangeboten bisher nicht ausreichend ab-gedeckt. Hier setzt der der Mittelstandsfonds für Deutschland an und schließt eine
Lücke.

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