"Rettung" Griechenlands kostet Deutschland höchstens 500 Mio. Euro

26. April 2010
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Die Hilfe für Griechenland hat die Wirtschaftsschlagzeilen auch am Wochenende dominiert. Wie üblich werden in den Medien hohe Summen herumgereicht. So schreibt etwa Spiegel Online: “Die Europäische Union will dem hochverschuldeten Griechenland im Notfall mit Krediten von bis zu 30 Milliarden Euro helfen – davon müsste Deutschland knapp 8,4 Milliarden Euro schultern.” (Übersicht hier im Wall Street Journal zur Verteilung)

Kaum jemand schreibt, was eigentlich “schultern” in diesem Zusammenhang heißt. Die Berichte suggerieren, dass die Unterstützungsleistungen Deutschland 8,4 Mrd. Euro und mehr kosten. Das ist vorsichtig ausgedrückt nicht richtig, deutlicher gesagt ist das Nonsens. In Wirklichkeit betragen die Kosten nach meiner Schätzung höchstens 500 Mio. Euro, wenn der Bund bereits in den vergangenen Wochen entsprechende Vorbereitungen getroffen hat.

Selbst Wirtschaftsblätter, wie die FTD, sprechen von Kosten in Höhe von 30 Mrd. € für die Eurozone. Kosten suggerieren, dass eine Zahlung ohne Gegenleistung erfolgt. In Wirklichkeit bekommt Griechenland aber eine Kredithilfe. Für Deutschland wird diese über die KfW vergeben, das Risiko für den Ausfall übernimmt freilich der Bund. Und die Kosten betragen mit Sicherheit keine 8,4 Mrd. Euro.

Mittlerweile dürfte aber bekannt sein, dass man sich gegen Kreditausfälle versichern kann (selbst dann wenn man keinen Kredit gewährt hat, so hat John Paulson Milliarden verdient). Kreditversicherungen kosten Geld und haben für Staaten und große Schuldner wie Banken und viele an Kapitalmärkten notierten Unternehmen einen Preis, der unter Finanzprofis bekannt ist und manchmal sogar in Zeitungen oder Blogs publiziert wird.

Um sich gegen sogenannte Kreditereignisse Griechenlands abzusichern, waren in der letzten Woche lt. einer Aufstellung der FTD 623 Basispunkte (6,23%) pro Jahr zu zahlen. Sichert sich Deutschland gegen den Ausfall griechischere Schulden also am Kapitalmarkt entsprechend ab und werden die Kredite für eine Laufzeit von 3 Jahren gewährt, dann belastet die Unterstützung den Haushalt zunächst mit etwa 1,6 Mrd. Euro bei 8,4 Mrd Euro Kredit für drei Jahre. Fällt Griechenland tatsächlich aus, erhält Deutschland von den Kreditversicherern 8,4 Mrd. Euro.

Da sowohl in der für die deutschen Verbindlichkeiten zuständigen Finanzagentur als auch in der KfW Finanzprofis sitzen, vermute ich, dass sie bereits in den letzten Wochen aktiv waren und Credit Default Swaps (so heißen die Ausfallsversicherungen) auf Griechenland erworben haben. Möglicherweise haben diese Aktivitäten ja erst den Preis für die Prämien so stark nach oben getrieben. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sich Deutschland vielleicht im Mittel zu 5% abgesichert hat. Ich gehe sogar von noch niedrigeren Sätze aus, rechne aber mal fairerweise mit 5% p.A. weiter. Die Kosten würden dann etwa 1,3 Mrd. Euro betragen.

Nun bekommt Griechenland Kredite von Deutschland aber nicht zum gleichen Zinssatz, für den sich auch Deutschland verschulden kann. Deutschland zahlt per Stand 23.4. für Laufzeiten zwischen drei und fünf Jahren laut Übersicht der Bundesbank 1,74% Zinsen. Die genauen Konditionen für die Kredite an Griechenland sind nicht bekannt (Vermutungen hier im GF). Vor einigen Wochen war einmal von 5% die Rede. Dieser Zins läge um 3,26% über den Zinsen, die Deutschland selbst an Investoren zahlen müsste. Rechnet man diese 3,26% auf drei Jahre für 8,4 Mrd. Euro, dann erzielt Deutschland hier einen Überschuss von 820 Mio. Euro.

Abschließend zieht man noch diese 820 Mio. Euro von den 1,3 Mrd. Euro für die Kreditversicherung ab, dann verbleiben an Kosten etwas 480 Mio. Euro, die wir auf 500 Mio. Euro großzügig aufrunden. 500 Mio. Euro kostet Deutschland höchstens die Griechenland Unterstützung, wenn sich Bund bzw. die KfW fachgerecht und rechtzeitig abgesichert haben. Bei diesen Kosten könnte Griechenland sogar komplett Pleite gehen, Deutschland hätte trotzdem keinen höheren Verlust (Folgekosten für die Rettung von Banken, Versicherungen und Unternehmen natürlich nicht berücksichtigt).

Grob fahrlässig wäre es, wenn Deutschland auf die eigenen Absicherung verzichten würde. Deutschland könnte dann zwar Geld “verdienen”, wenn Griechenland ordentlich zurückzahlt, trüge dann jedoch ein deutlich höheres Risiko.

Welt: Muss Deutschland jetzt für seine Schulden höhere Zinsen zahlen?

FTD: Pressestimmen "Geld für Griechenland-Rettung ist gut angelegt"

Beitrag ursprünglich erschienen im Blick Loghttp://www.blicklog.com/2010/04/26/rettung-griechenlands-kostet-deutschland-hchstens-500-mio-euro/

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