Online-Video: Sinnvolles Marketinginstrument?

26. Juli 2010
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Wer mit dem richtigen Online-Video auf seiner Website kommuniziert, schafft oftmals tausende von Klicks bzw. “unique visits”.  Aber reicht das, um auch eine “Conversion Rate”-Steigerung zu schaffen, also die Umwandlung von Interessenten zu “Opt-In”-Kontakten, die anschließend zu Käufern werden können? Nun, wer das Thema so betrachtet, dem mag man vorwerfen, daß er einen zu verengten Blick hat, der ihn über e-Commerce und Online-Shop-Optimierung nicht hinausblicken lässt. Das Thema ist aber zu wichtig, um es allein den Suchmaschinen-Optimierungsspezialisten zu überlassen, die zweifellos viel Gutes beitragen können.

Heute, da es für jedermann leicht geworden ist, “user-generated content“, also eigenen Inhalt, zu veröffentlichen, via Twitter, Facebook etc., fragen sich immer mehr Unternehmensverantwortliche also zu Recht, wie sie es schaffen könnten, das Medium Video sinnvoll in die eigene Kommunikation zu integrieren – ohne dadurch gleich in Budgetschwierigkeiten zu gelangen. Wo jedermann via Smartphone HD-Videos oder am PC via JING (Camtasia o.ä.) aufnehmen kann, scheint der Schluss nahe: Das lässt sich doch heute spottbillig produzieren, also darf es auch nichts kosten. Schon flammt die Debatte auf, ob das Netz nicht durch die preiswerten Produktionsmöglichkeiten heute zum Billig-Netz verkommt, indem Billig-Kommunikation gang und gäbe ist – und zwar für alle und jeden.

YouTube
Image via Wikipedia

Nun, wie so oft steckt auch beim Thema Online-Video der Teufel im Detail:

Ob Billigvideos via Smartphone oder Webcam am PC für eine sinnvolle Unternehmenskommunikation taugen, hängt natürlich auch vom Einsatzzweck ab. In jedem Fall empfiehlt es sich, sich über die Ziele seiner Online-Video-Kommunikation klar zu werden. Wer “nur mal ein Video machen” möchte, läuft Gefahr, Geld und wertvolle Kapazitäten zu verpulvern. Standardrezepte gibt es nicht, Businessvideos viele, von denen die meisten vielfach zwar teuer produziert  und dennoch vielfach extrem langweilig sind, weil die meisten Anbieter viel zu oft über den Bauchnabel-Blickwinkel (sprich: Broadcast-Ansatz) nicht hinauskommen. Motto: “Wenn wir endlich mal was hochwertig-Sinnvolles zu sagen haben, hat die Welt ja ganz gewiss nur darauf gewartet.”

In der Realität muss ein sinnvolles Unternehmensvideo also immer auch die Frage nach dem Kommunikationsziel klar beantworten. Daß das Medium Online-Video grundsätzlich funktionieren kann, ist unstreitig. Die besten Social-Media-Kampagnen nutzen selbstverständlich häufig dieses Medium, genannt seien an dieser Stelle nur zwei Beispiele: Die Old-Spice-Werbung und der Klassiker von Tom Dickson. Nicht nur, weil er Co-Moderator der von mir moderierten XING-Gruppe “PR 2.0 – HYBRID MARKETING” ist, sondern auch Inhaber des Unternehmens “Erfolgsvideo.de“, habe ich Hermann Goldschmidt gebeten, gegenüber Bloggerforum-Wirtschaft.de zu erläutern, was ein Unternehmensvideo ist – und wie es sinnvoll eingesetzt werden sollte.

Bloggerforum-Wirtschaft: VielInhaber von Erfolgsvideo.dee von uns kennen YouTube aber die meisten sehen das Thema Video immer noch eher in der privaten Ecke. Warum ist es jetzt auch für Unternehmen im deutschsprachigen Raum sinnvoll, über Unternehmensvideos völlig neu nachzudenken?

Hermann Goldschmidt: YouTube ist eine der ganz großen Erfolgsgeschichten im Internet. Pro Tag werden dort mehrere Hunderttausend Videos hochgeladen. Die Masse davon sind aber immer noch so genannte nutzergenerierte Videos, bei denen häufig der Spaß im Vordergrund steht. Allerdings steigt der Anteil der sogenannten professionellen Videos stark an. Pro Monat hat YouTube über 100 Millionen Nutzer. Der durchschnittliche Nutzer ist älter als die meisten glauben, nämlich im Durchschnitt über 30 Jahre. Darüber hinaus sind YouTube Nutzer Meinungsmacher und Multiplikatoren im Netz und haben eine starke Affinität zum Online Shopping. YouTube ist für Unternehmen noch ein relativ wettbewerbsarmes Umfeld. Hier kann man sich noch gut positionieren.

Wie sieht denn der Markt für Unternehmensvideos aus?

Es gibt in Deutschland circa 3.5 bis 5 Millionen Webseiten mit der Endung „.de“ von Freiberuflern, Selbständigen und kleinen und mittleren Unternehmen. Die Schätzung ist, das zur Zeit auf circa einem Prozent ein Video ist und die Prognose ist, das in fünf Jahren auf circa 60 bis 80 Prozent ein oder mehrere Videos sein werden.

Was bringt ein Video konkret, was ist der Nutzen für das Unternehmen oder den Freiberufler?

Aus Sicht des Nutzers bekommt der Betrachter kurz – knapp – präzise die Informationen auf eine angenehme und zeitgemäße Art und Weise präsentiert. Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte und ein Video erzählt die gesamt Geschichte. Letztlich erhält der Betrachter einen Eindruck vom Menschen hinter der Webseite. Aus Sicht des Unternehmens hat es ja in der Regel nur einmalige Produktionskosten und keine Distributionskosten. Darüber hinaus hilft ein Video in der Regel ein deutlich besseres Ranking bei den originären Suchergebnissen bei Google zu erreichen. In den meisten Branchen hat die Schlacht um die forderen Plätze bei den Suchergebnissen noch gar nicht begonnen. Das wird sich jetzt aber ganz schnell ändern.

Welche Einsatzgebiete sehen sie  als die wichtigsten für Videos in Unternehmen?

In erster Linie einmal im Bereich des klassischen Unternehmensvideos, das nicht länger als 60 bis 120 Sekunden sein sollte. Aber es wird auch Anwendungen im Schulungsbereich, Servicebereich und bei Bedienungsanleitungen geben.

Die Technik wird ja immer preiswerter. Warum sollte ein Unternehmen so ein Video nicht selbst produzieren, zumal die Technik heute ja jedem ein Screencast, also die Aufzeichnung von Präsentationen am Bildschirm, ermöglicht?

Professionelles Equipment ist immer noch teuer. Ein ausgebildeter Kameramann und eine professionelle Post-Production liefern in der Regel ein Ergebnis ab, das den Unterschied zu einem selbstgemachten Video doch sehr schnell erkennen lässt. Ein kritischer Punkt ist das Thema „Verletzung von Rechten“ Hier kann man sich gegebenenfalls mächtig in die Nesseln setzen. Von einer professionellen Firma dürfen sie ein rechtefreies Produkt erwarten und sitzen damit dann auch auf der sicheren Seite. Nicht zu vergessen: Vielfach drohen Firmen im Nachhinein gewaltige Forderungen der Künstlersozialkasse, wenn sie Kreative beschäftigen. Das kann schnell eine Menge Ärger bringen.

Wenn ich dann so ein Unternehmensvideo habe, was mache ich damit?

Wir empfehlen in der Regel als Basis das Hosting bei YouTube und die Verlinkung auf die eigene Webseite. Man kann natürlich auch noch weitere Videoportale bedienen und auch andere Social Communities, wie zum Beispiel Facebook, um noch mehr Reichweite zu erzielen.

Können Sie uns in einem Satz sagen, warum prinzipiell jedes Unternehmen heute mindestens ein Online-Video anbieten sollte?

Im Internet geht es doch darum: Gefunden – verstanden – gekauft zu werden –  gut gemachte Online-Videos schaffen alle drei Aufgaben!

Herr Goldschmidt, Danke für das Gespräch.

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2 Responses to “ Online-Video: Sinnvolles Marketinginstrument? ”

  1. Schulze on 27. Juli 2010 at 09:59

    Tolles Interview, wir sagen auch immer ” ein Bild sagt mehr als tausend Worte ” und gerade bei Berufen wie einem Anwalt, einem Arzt etc. will man sich ein ” Bild ” machen! Und dazu ist ein Video perfekt geeignet!

  2. Walter Glück on 3. August 2010 at 17:08

    Feine Sache. Wenn man bedenkt, daß nahezu 80% einer Kaufentscheidung “aus dem Bauch heraus”, also aus Sympathie und Emotionalität getroffen werden.
    Ein Online-Video ersetzt natürlich nicht das persönliche Gespräch ist aber eine perfekte Brücke zwischen Interessenten – Produkt/Dienstleistung – Unternehmen.

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