Öl-Film, schlechter, oder: Die „sich entschuldigenden“ Nasenbohrer

17. Juni 2010
By

Die BP-Unternehmensspitze wird längst weltweit verlacht – und alle Anstrengungen des Unternehmens, die grandiose Öl-Katastrophe in den Begriff zu bekommen, scheinen buchstäblich zu versanden. Wie man lesen kann, tritt selbt BP-Aufsichtsratschef Carl-Henric Svanberg (Bild: BP) die Flucht nach vorn an: Er „entschuldigt sich„. Nun mag es an der Übersetzung liegen, aber aufhorchen läßt mich das leider immer wieder: Ist diesen „Unternehmenslenkern“ (besser nennte man sie vielleicht: Unfallbeschönigern) eigentlich nicht einmal diese allerkleinste sprachliche Genauigkeit geläufig, daß man sich nicht selbst entschuldigen kann, sondern wenn überhaupt: nur den anderen „um Entschuldigung bitten“?!! Nun mag man das für eine sprachliche Korinthenkackerei halten, weil diese Sittenverschluderung aber allüberall Einzug auch hierzulande gehalten hat – Motto: Ich hau Dir auf’s Maul und dafür „entschuldige ich mich“ (und das war’s dann wohl), halte ich es doch für erwähnenswert: So nicht! Wenn schon, dann kann man vielleicht „um Entschuldigung bitten“!!!! Kapiert?! Die Entschuldigung gewähren kann dann vielleicht der Betroffene, eine moralische Pflicht dazu besteht in keiner Weise, allerhöchstens das christliche Gebot, dem „Schuldiger“ seine Sünden zu vergeben. Klartext: Wer (massiven) Schaden anrichtet, sollte sich anschließend wenigstens nicht auch noch als sprachlicher Dummbär gebärden, es sei denn, er legt es darauf an, seine Reputation vollends in den Golf von Mexiko oder eine sonstige Kloake zu kippen.

Aber weiter im Text des BP-Aufsichtsratschefs: „Ich danke ihnen für ihre Geduld in dieser schwierigen Zeit“, sagte der Manager nach seinem  Treffen mit Obama, der den Konzern mal eben zur Bereitstellung eines 20-Milliarden-Dollar-Entschädigungsfonds verdonnerte, um nicht als grandioser Komiker selbst im Ölsumpf zu versinken. Aha. Geduld. Welche Geduld? Hat der Mann noch alle „Latten am Zaun“? Sollen wir also geduldig weiter BP tanken, oder was? Der oberste BP-(Ab-)“Lenker“ meint also offenkundig, er könne ein derartiges Desaster mit einem dämlichen Sätzlein à la deutsche Autobahnmeisterei auf dem berüchtigten Sommerbaustellenstauerklärungsschild abtun: „Wir bitten um ihr Verständnis“. Für was denn bitte? Verständnis und Geduld für vollständige Inkompetenz und Blödheit? Herr, das Schaf bittet um Verständnis. Das Schaf bittet um Geduld. Lass also Hirn regnen! Aber kein Geld mehr.

Und um dem Ölfass die Krone ins Gesicht zu schlagen, versprach der „Multi“ dann auch noch prompt „eine faire und rasche Bearbeitung von Schadenersatzansprüchen“. Spätestens jetzt weckt das in mir das unkontrollierbare Verlangen, mich zu übergeben. Wenn etwas wirklich unerträglich ist, dann ist es das selbstherrlich-doofe Geschwätz solcher sogenannter Top-Leute (andernorts euphemistisch „Eliten“ genannt), denn erstens: Versprich nie, was Du nicht halten kannst. Zweitens: Was heißt eigentlich fair? Darüber kann man dann wieder trefflich 25 Jahre streiten. Was also soll dann bitte ein so selten beknacktes Versprechen?! Goodwill zeigen und beweisen. Schön. Die Botschaft hör’n wir wohl, allein, es fehlt der Glaube. Und warum wohl?

Nun, ganz einfach: Wer so grandios scheitert, täglich 9 Millionen Liter Öl ins Meer laufen zu lassen (hierzulande kommt ja das Gewerbeaufsichtsamt oder die Gemeinde schon mit dem Bußgeldzetteln angesch.., wenn man nur einen Tropfen Salatöl in den Garten kippt – und in Berlin verbieten sie Heizpilze, uahuahuah!), dafür keinerlei Sicherheitskonzept in der Tasche hat, und anschließend immer noch so tut, als könne er mit einem fetten Geldbeutel „die kleine Panne“ aus der Welt kaufen (oder sollte ich sagen: schmieren?), dem gehört nicht nur die Rote Karte. Sondern auch gleich noch der Orden für das DGMDJ (Dümmstes Großmaul des Jahres). Oho, wird mancher jetzt einwerfen, das ist aber jetzt unfair, immerhin hat der Mann doch guten Willen gezeigt. Einverstanden. Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. Tolle Leute haben wir da in den Konzernspitzen. Anders ausgedrückt: Wer solche PR macht, braucht keine Feinde mehr.

Da nützt auch kein noch so perfekter „Social Media Newsroom“ nichts, den BP gleich nach der Katastrophe in prinzipiell vorbildlicher Weise sogleich eingerichtet hat, um das PR-Desaster zu begrenzen. Denn wenn die Unternehmensspitze nicht nur technisch, sondern auch noch sprachlich völlig überfordert ist, hilft es wenig, wenn noch so gut mit Budgets ausgestattete Agenturen auf noch so vielen Social-Media-Kanälen die immergleich hilflosen „Botschaften“ (genauer: Leerfloskeln oder Phrasen) dreschen. In derartigen Krisen ist es ja vielleicht auch einmal hilfreich, innezuhalten, Augenmaß zu bewahren, nicht immer nur und ständig auf den eigenen unmittelbaren Vor- oder Nachteil zu sehen, sondern gerade dann seine Antennen auf Empfang statt auf Senden zu stellen. Und wenn man eines aus dem BP-Kommunikationsdesaster lernern kann, dann das: Mehr Training für die Führung bitte – und bitte nicht nur im Alphatier-Getue, sondern vielleicht einmal mehr ein Training auch im Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (für die es übrigens auch auf XING eine eigene Gruppe gibt).

Und für alle, die sich derweil ein Bild machen möchten, wie es in der BP-Konzernspitze wirklich zugeht, sei dieses Video empfohlen (Achtung: Satire!):

Tags: , , , , , , , , , , ,

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.

Kategorien



Wirtschaft


Get Adobe Flash player