Die BP-Unternehmensspitze wird längst weltweit verlacht – und alle Anstrengungen des Unternehmens, die grandiose Ă–l-Katastrophe in den Begriff zu bekommen, scheinen buchstäblich zu versanden. Wie man lesen kann, tritt selbt BP-Aufsichtsratschef Carl-Henric Svanberg (Bild: BP) die Flucht nach vorn an: Er “entschuldigt sich“. Nun mag es an der Ăśbersetzung liegen, aber aufhorchen läßt mich das leider immer wieder: Ist diesen “Unternehmenslenkern” (besser nennte man sie vielleicht: Unfallbeschönigern) eigentlich nicht einmal diese allerkleinste sprachliche Genauigkeit geläufig, daĂź man sich nicht selbst entschuldigen kann, sondern wenn ĂĽberhaupt: nur den anderen “um Entschuldigung bitten”?!! Nun mag man das fĂĽr eine sprachliche Korinthenkackerei halten, weil diese Sittenverschluderung aber allĂĽberall Einzug auch hierzulande gehalten hat – Motto: Ich hau Dir auf’s Maul und dafĂĽr “entschuldige ich mich” (und das war’s dann wohl), halte ich es doch fĂĽr erwähnenswert: So nicht! Wenn schon, dann kann man vielleicht “um Entschuldigung bitten”!!!! Kapiert?! Die Entschuldigung gewähren kann dann vielleicht der Betroffene, eine moralische Pflicht dazu besteht in keiner Weise, allerhöchstens das christliche Gebot, dem “Schuldiger” seine SĂĽnden zu vergeben. Klartext: Wer (massiven) Schaden anrichtet, sollte sich anschlieĂźend wenigstens nicht auch noch als sprachlicher Dummbär gebärden, es sei denn, er legt es darauf an, seine Reputation vollends in den Golf von Mexiko oder eine sonstige Kloake zu kippen.
Aber weiter im Text des BP-Aufsichtsratschefs: „Ich danke ihnen fĂĽr ihre Geduld in dieser schwierigen Zeit“, sagte der Manager nach seinem Treffen mit Obama, der den Konzern mal eben zur Bereitstellung eines 20-Milliarden-Dollar-Entschädigungsfonds verdonnerte, um nicht als grandioser Komiker selbst im Ă–lsumpf zu versinken. Aha. Geduld. Welche Geduld? Hat der Mann noch alle “Latten am Zaun”? Sollen wir also geduldig weiter BP tanken, oder was? Der oberste BP-(Ab-)”Lenker” meint also offenkundig, er könne ein derartiges Desaster mit einem dämlichen Sätzlein Ă la deutsche Autobahnmeisterei auf dem berĂĽchtigten Sommerbaustellenstauerklärungsschild abtun: “Wir bitten um ihr Verständnis”. FĂĽr was denn bitte? Verständnis und Geduld fĂĽr vollständige Inkompetenz und Blödheit? Herr, das Schaf bittet um Verständnis. Das Schaf bittet um Geduld. Lass also Hirn regnen! Aber kein Geld mehr.
Und um dem Ă–lfass die Krone ins Gesicht zu schlagen, versprach der “Multi” dann auch noch prompt “eine faire und rasche Bearbeitung von SchadenersatzansprĂĽchen”. Spätestens jetzt weckt das in mir das unkontrollierbare Verlangen, mich zu ĂĽbergeben. Wenn etwas wirklich unerträglich ist, dann ist es das selbstherrlich-doofe Geschwätz solcher sogenannter Top-Leute (andernorts euphemistisch “Eliten” genannt), denn erstens: Versprich nie, was Du nicht halten kannst. Zweitens: Was heiĂźt eigentlich fair? DarĂĽber kann man dann wieder trefflich 25 Jahre streiten. Was also soll dann bitte ein so selten beknacktes Versprechen?! Goodwill zeigen und beweisen. Schön. Die Botschaft hör’n wir wohl, allein, es fehlt der Glaube. Und warum wohl?
Nun, ganz einfach: Wer so grandios scheitert, täglich 9 Millionen Liter Ă–l ins Meer laufen zu lassen (hierzulande kommt ja das Gewerbeaufsichtsamt oder die Gemeinde schon mit dem BuĂźgeldzetteln angesch.., wenn man nur einen Tropfen Salatöl in den Garten kippt – und in Berlin verbieten sie Heizpilze, uahuahuah!), dafĂĽr keinerlei Sicherheitskonzept in der Tasche hat, und anschlieĂźend immer noch so tut, als könne er mit einem fetten Geldbeutel “die kleine Panne” aus der Welt kaufen (oder sollte ich sagen: schmieren?), dem gehört nicht nur die Rote Karte. Sondern auch gleich noch der Orden fĂĽr das DGMDJ (DĂĽmmstes GroĂźmaul des Jahres). Oho, wird mancher jetzt einwerfen, das ist aber jetzt unfair, immerhin hat der Mann doch guten Willen gezeigt. Einverstanden. Ich nehme alles zurĂĽck und behaupte das Gegenteil. Tolle Leute haben wir da in den Konzernspitzen. Anders ausgedrĂĽckt: Wer solche PR macht, braucht keine Feinde mehr.
Da nĂĽtzt auch kein noch so perfekter “Social Media Newsroom” nichts, den BP gleich nach der Katastrophe in prinzipiell vorbildlicher Weise sogleich eingerichtet hat, um das PR-Desaster zu begrenzen. Denn wenn die Unternehmensspitze nicht nur technisch, sondern auch noch sprachlich völlig ĂĽberfordert ist, hilft es wenig, wenn noch so gut mit Budgets ausgestattete Agenturen auf noch so vielen Social-Media-Kanälen die immergleich hilflosen “Botschaften” (genauer: Leerfloskeln oder Phrasen) dreschen. In derartigen Krisen ist es ja vielleicht auch einmal hilfreich, innezuhalten, AugenmaĂź zu bewahren, nicht immer nur und ständig auf den eigenen unmittelbaren Vor- oder Nachteil zu sehen, sondern gerade dann seine Antennen auf Empfang statt auf Senden zu stellen. Und wenn man eines aus dem BP-Kommunikationsdesaster lernern kann, dann das: Mehr Training fĂĽr die FĂĽhrung bitte – und bitte nicht nur im Alphatier-Getue, sondern vielleicht einmal mehr ein Training auch im Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (fĂĽr die es ĂĽbrigens auch auf XING eine eigene Gruppe gibt).
Und für alle, die sich derweil ein Bild machen möchten, wie es in der BP-Konzernspitze wirklich zugeht, sei dieses Video empfohlen (Achtung: Satire!):




