Nach Social Banking 2.0 bestätigt heute auch Spiegel online die Insolvenz der Noa Factoring. Daniel Bödger von Tagesgeld-news.de berichtet telefonisch, dass die Bafin für morgen weiter gehende Informationen angekündigt hat, deren weitreichende Folgen man dann sicherlich unschwer auf der einschlägigen Homepage der Einrichtung ablesen kann.
[Mittlerweile hat auch Gründer Francois Jozic auf der Internetseite seiner Bank offiziell bestätigt, dass die gesamten geschäftlichen Aktivitäten der Noa Bank eingestellt werden]. Laut einer weiteren Presseinformation, die sich auf Social Banking 2.0 im Wortlaut nachlesen lässt, besteht das Ziel darin, in einem geordneten Insolvenzverfahren zwar nicht die Noa Bank zu retten, wenigstens aber das Kerngeschäft von Noa Factoring zu erhalten.
Laut Tagesgeld-news.de (siehe Kommentar ganz unten) widerspricht die Bafin jedoch den offiziellen Darstellungen der Noa Bank in einem wichtigen Punkt:
BaFin verhängt Moratorium gegen die NOA Bank: soeben wurde uns von der BaFin mitgeteilt: Entgegen den Aussagen von Herr Josic (mit dem die BaFin nach eigenen Aussagen schon seit mehreren Wochen keinen Kontakt mehr hat) hat die BaFin selbst soeben ein Moratorium gegen die NOA Bank verhangen – sprich – um Kundengelder vor dem Abfluss ins Ausland zu sichern, wurden alle Konten der NOA Bank bis auf weiteres gesperrt. Man ziehe damit die Konsequenzen aus der Insolvenz der NOA Factoring – da man befürchtet / davon ausgehen muss dass auch die NOA Bank davon betroffen ist bzw. sein wird. Kunden müssen also keine Angst um ihre Gelder haben – diese sind soweit erst einmal abgesichert. Wie es nun weiter geht wird sich morgen früh zeigen.
Quelle: tagesgeld-news.de
Nachzulesen und bestätigt ist das Vorhandensein dieses ”Bafin-Moratoriums” auch via finanznachrichten.de – und offiziell ist es mittlerweile auch auf den Seiten der Bafin nachzulesen.
Derzeit ist die Nachrichtenlage zwischen gesicherten Fakten und reiner Spekulation ein schmaler Grat. Vorerst lautet das offizielle Statement des Amtsgerichts Düsseldorf so: Die Insolvenz erstreckt sich auf die Noa Factoring (HRB 50167). Welche Konsequenzen möglicherweise betroffene Kunden daraus ziehen sollten, das lässt sich auf geld-magazin.de nachlesen: “Sicherheitsbewusste Anleger ziehen ihre Gelder von dem Tagesgeldkonto ab.”
Dazu ein Kommentar: Dieses Weblog Social Banking 2.0 hat bereits vor dem offiziellen Start der Noabank zum ersten Male über den Newcomer berichtet. Dabei habe ich vor allem handwerkliche Mängel und die mangelnde Transparenz auf den damals kurz vor dem Start präsenten Internetseiten kritisiert.
Daraufhin suchte der Gründer Francois Jozic das Gespräch zu mir. Über dessen Verlauf und die Hintergründe des Starts eines kreativen Newcomers habe ich auf Heise Telepolis in einem längeren Fachbeitrag ausführlich und öffentlich berichtet. Es lag etwas Neues in der Luft… doch endeten nicht schon allzu viele vermeintliche Revolutionen in einer späteren Enttäuschung?
Im Internet und über die sozialen Netzwerkaktivitäten bleibt heute kaum mehr etwas verborgen. Und das ist gut so. Denn während in den Medien die Noa Bank an Popularität gewann und die Journalisten Gefallen fanden an dem “Banker zum Anfassen”, stellte ich im Dezember und Januar – ohne in eine Vorabverurteilung zu verfallen – kritische Fragen zum Firmengeflecht, auf die ich zwar einige gute Antworten kam, die aber letzte Zweifel an der handwerklichen Solidität und strategischen Sorgfalt nicht erschöpfend ausräumen konnten.
Es handelte sich bei der Noabank zweifellos um ein Geschäftsmodell, das die Massen wie auch die Brancheninsider polarisierte, und diese in glühende Anhänger und eifrige Gegner aufspaltete, was eine sachliche Information auch meinerseits zusehends erschwerte.
Und als Leitmedien wie Spiegel online, die FTD und die Süddeutsche Zeitung im April dieses Jahres (endlich) auf die in diesem Weblog bereits mehrfach thematisierte Vorgeschichte der Noa Bank (Quorum und Targas) aufmerksam wurden, kehrte sich das Pendel der Sympathie von nun an gegen den Außenseiter, der mit dem Touch des “Davids gegen Goliath” ein disruptives neues Bankenmodell ins Visier genommen hatte.
Viel scheint davon, so darf man nach der heute eingeleiteten Insolvenz des Factoring-Dienstleisters noafactoring (ehemals Quorum AG) schlussfolgern, nicht mehr übrig geblieben zu sein. Vom Etikett Social Banking bleibt nur der schale Beigeschmack, dass sich die (Banken)welt eben doch nicht so leicht verbessern lässt, wie es auf den ersten Blick nach der Finanzkrise schien und von nicht wenigen Menschen erhofft worden war.
Andererseits, vielleicht haben jetzt durch die kreativen Newcomer in der Finanzwelt auch einige Banker mehr als so mancher glaubt ihre Lektionen gelernt, was kaum an die Öffentlichkeit dringt. Der vermeintlich neue Überflieger Noa mit Schallgeschwindigkeit, dem es in kurzer Zeit aufgrund attraktiver Guthabenzinsen gelungen war, fast 300 Mio. Euro bei den Anlegern einzusammeln, scheint jedoch aus großer Fallhöhe abgestürzt zu sein.
Auch andere Finanzinstitute unterhalten Factoring-Töchter. Dennoch: Die Integration und Vermengung von Quorum in die neue Firmenstruktur der Noabank hätte gar nie erfolgen dürfen, zumal die Vorgeschichte bezüglich des Geschäftsgebarens einige kritische Facetten aufwies. Allenfalls langfristig wäre dieser Schritt denkbar gewesen, wenn ersichtlich gewesen wäre, wohin die Reise der neuen Bank ginge, um die Vertrauensbasis dafür zu schaffen.
So hatte man von außen den Eindruck, hinter den Kulissen wurden einige Strippen gezogen, und die Kunden bekamen – oder sollten jedenfalls davon nicht allzu viel mitkriegen. Der an sich gute Ansatz, jenseits von Spekulation über Social Media Kredite und Einlagen transparent zu machen, wurde dadurch im Laufe der Zeit massiv konterkariert.
Es gehört zur Gabe eines guten Managers, mögliche Stolpersteine rechtzeitig zu erkennen und sich pragmatisch auf die Entwicklung eines machbaren und soliden Geschäftsmodells zu konzentrieren. Dies gilt erst recht, wenn es sich um das komplexe Risikomanagement innerhalb einer Ökonomie dreht, die unmittelbar mit Geldströmen handelt.
Ein allzu plumper Drehtüreffekt – Noa Factoring als Refinanzierungsquelle durch die Einlagen der Noa Bank – spielte den Kritikern mit Recht in die Hände – und man darf sich als Außenseiter dann kaum über die aufkommende mediale Kritik beschweren.
Und man darf sich ebensowenig über staatliche Regulierungsbehörden wie die Bafin beschweren, die dann eine Erhöhung der Eigenkapitaldecke quasi per amtlichem Beschluss erzwingen, weil die Gründer und Manager der Noabank möglicherweise idealistische, persönliche und geschäftliche Interessen wenig nachvollziehbar ineinander verwoben haben.
Weitere zentrale Managementfehler der Noa Bank: Dass eine größere Eigenkapitaldecke erforderlich sein würde, das war bereits ca. zwei bis spätestens drei Monate nach dem Start klar. Gründer Francois Jozic kündigte die Erhöhung übrigens mehrfach und schon kurz nach dem Start an, aber bis heute war und ist es offenbar nicht gelungen, externe und solide auftretende Investoren mit ins Boot zu holen.
Spätestens als hier Verzögerungen auftraten, hätte man die Summe der Einlagen nach unten steuern müssen, etwa durch Herabsinken der Guthabenzinsen beim Tagesgeld und bei Festzinsanlagen. So aber wuchs sich die Krise aus, denn natürlich braucht eine solide Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen viel Zeit. Dafür aber war die Bank personell und auch vom Zuschnitt der Risikomanagementsysteme nicht vorbereitet.
Umso mehr hätte das Wachstum drastisch begrenzt werden müssen. So aber bleibt nach der Insolvenz von Noafactoring der Eindruck haften, dass die Gründer leichtfertig mit dem Kapital der Anleger gespielt haben. Und die ewigen Nörgler werden recht behalten. Vielleicht bleibt dadurch eine historisch günstige Chance ungenutzt, dem Bankwesen einen frischen Stempel einzuprägen. Das positive Potential dazu war auf alle Fälle vorhanden, auch darüber berichtete dieses Weblog immer wieder.
Es werden andere kommen, die aus den Erfahrungen der Noabank bzw. Noa Factoring lernen werden. So aber bleibt meine Beschreibung der Noa Bank aus meinem redaktionell im Februar abgeschlossenen Buchprojekt “Die Bank sind wir” wie ein negatives Ausrufezeichen stehen: “Hält das Wachstumstempo weiter an und löst die Noa Bank den Nachweis einer seriösen Alternative zwischen Mainstream-Banking und dem Öko- und Genossenschaftssektor ein, könnte das Institut dem gesamten Bankenmarkt einen neuen Stempel aufdrücken”.
Schon damals wies ich in der Fußnote auf die rechtlich komplexe Firmenkonstruktion hin, die auch in mir immer wieder ein leichtes Bauchgrummeln auslöste. Diverse Formen von “Fehlspekulationen” und Fehlallokationen seitens der Gründer scheinen nun dem auch aus Anlegersicht so wünschenswerten und aussichtsreichen Zukunftsmodell einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Die beim Landgericht Düsseldorf eingeleitete Insolvenz der Noafactoring wirft ein negatives Schlaglicht auf andere kreative Ansätze in der Bankenlandschaft. Die Kritiker werden sagen: Seht her, es gibt doch kein moralisch überlegenes und besseres Banking.
Es werden aber andere kreative Unternehmen vor allem über internetbasierte Ansätze das Terrain betreten, um unter Beweis zu stellen, dass sich die “Black Box Bank” anhand von neuen Geschäftsmodellen doch stärker auf die Kunden und die Bedürfnisse von Gesellschaft und Wirtschaft zubewegen kann als dies manche kritische Zeitgenossen glauben.
P.S. Nachtrag – inzwischen hat Noa Bank Gründer Francois Jozic selbst auf den Internetseiten seiner Bank das Ende seiner Geschäftsbemühungen und die Liquidation der gesamten Firma mitgeteilt. Ein spannendes Experiment findet ein trauriges Ende.
Die beiden kompletten Artikel zu den aktuellen Geschehnissen um die Noa Bank finden Sie auch auf Social Banking 2.0 hier:
http://lochmaier.wordpress.com/2010/08/18/noa-bank-grunder-francois-jozic-bestatigt-das-aus/





BaFin verhängt Moratorium gegen die NOA Bank: soeben wurde uns von der BaFin mitgeteilt: Entgegen den Aussagen von Herr Josic (mit dem die BaFin nach eigenen Aussagen schon seit mehreren Wochen keinen Kontakt mehr hat) hat die BaFin selbst soeben ein Moratorium gegen die NOA Bank verhangen – sprich – um Kundengelder vor dem Abfluss ins Ausland zu sichern, wurden alle Konten der NOA Bank bis auf weiteres gesperrt. Man ziehe damit die Konsequenzen aus der Insolvenz der NOA Factoring – da man befürchtet / davon ausgehen muss dass auch die NOA Bank davon betroffen ist bzw. sein wird.
http://www.tagesgeld-news.de/allgemein/bafin-verhaengt-moratorium-gegen-noa-bank-55272/
Kunden können also erst einmal beruhigt sein – ihre Gelder sind vorerst gesichert, nur kommen sie selbst auch nicht an diese ran. Wie es weiter geht wird morgen von der BaFin bekannt gegeben.
Wir freuen uns aber euch vorab diese Info schon liefern zu können
[...] Bloggerforum Wirtschaft: Noa Bank vor dem Aus: Insolvenz von Noafactoring beantragt [...]
[...] Noa Bank vor dem Aus: Insolvenz von Noafactoring beantragt … 18. Aug. 2010 von Lochmaier Nach Social Banking 2.0 bestätigt heute auch Spiegel online die Insolvenz der Noa Factoring. Daniel Bödger von Tagesgeld-news.d… http://www.bloggerforum-wirtschaft.de/ [...]
Die Noa Bank hat vor allem mit guten Tagesgeldzinsen viele Anleger angelockt, die jetzt zumindest sofern sie mehr als 50.000 Euro angelegt haben im Regen stehen. Denn die Noa Bank gehörte keinem Einlagensicherungsfonds an. Daher gilt nur die gesetzliche Einlagensicherung von 50.000 Euro. Darauf sollte man bei der Auswahl eines Tagesgeldkontos stehts achten und nicht nur auf die Zinsen schielen.