Like-Button oder Untergang – Wie Facebook den Suchtfaktor nutzt

2. August 2010
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Dislike-Button bei Facebook

Wer sich etwas intensiver mit Facebook-Marketing beschäftigt, weiß, daß der neue Internet-Gigant zum wirklich großen Sprung ausholt, um selbst Google Paroli zu bieten. Martin Weigert hat jetzt für “netzwertig” eine, wie ich finde, exzellente Beobachtung veröffentlicht, die deutlich macht, wie sehr Facebook es darauf anlegt, durch Vermittlung von Mehrwert für die Endnutzer endlose Abhängigkeiten zu schaffen, die es selbst eingefleischten Gegnern schwer machen, auf “stand-alone”-Lösungen zu beharren, vulgo: Facebook komplett, auch von der firmeneigenen Website, zu verbannen. Denn durch die simpel zu installierende Lösung des sogenannten “Gefällt-mir”-Knopfs (Like-Button) auf jeder x-beliebigen Website ist es nicht nur möglich, der Welt zu zeigen, daß soundsoviele “Freunde” diesen oder jenen Webbeitrag mögen. Vielmehr schafft Facebook es damit, weitere Daten über seine Nutzer und deren Surfverhalten zu sammeln – wer das übrigens nicht möchte, kann seinen Browser anweisen, den Like-Button bereits bei der Darstellung der Website zu eliminieren.

Facebook logo
Image via Wikipedia

Die “Ware Information” wird damit endgültig zur neuen Hartwährung, die über jede Krisenstimmung erhaben scheint. Denn an Daten von Endnutzern herankommen will schließlich beinahe jede Firma, und selbst wenn sich jemand ausschließlich im B2B-Bereich der Kommunikation bewegt, d.h. ihre Geschäfte ausschließlich mit Branchenexperten abwickelt und nicht mit Endnutzern. Der Grund für diesen Informationshunger liegt auf der Hand: Je besser ein Unternehmen über die Bedürfnisse und Gewohnheiten seines Zielpublikums Bescheid weiß, desto genauer kann die Ansprache des möglichen Kunden erfolgen. Umgekehrt macht es Facebook dem Endnutzer – und Unternehmen – doch verblüffend leicht, sich mit einem eigenen Profil oder einer eigenen Unternehmensseite auf Facebook zu präsentieren – Facebook weiß nicht zuletzt auch deshalb heute bereits viel mehr über seine Nutzer, als mancher engagierte Werber je erfahren dürfte.

Während die jüngeren Facebook-Nutzer sich möglicherweise noch in Spielwelten von Farmville u.ä. verlieren und ältere über Zuckerbergs schöne neue Welt staunen, in der ein Rekord den nächsten jagt (mittlerweile ist jeder zweite Facebook-Nutzer mindestens einmal täglich hier zu Gast), dräut am Horizont bereits eine Entwicklung, die immer mehr Unternehmen beschäftigen dürfte: Wenn Facebook es schon so einfach macht, an Endnutzer mit wunderbar aufschlussreichen Profilen zu kommen – wofür braucht es dann noch eine eigene Website?

Inzwischen beginnen Zeitschriften damit, die eigene Website abzuschaffen, weil man das Printprodukt nicht durch kostenlose Inhaltsdistribution im Netz kannibalisieren will – und stattdessen die “Community”, sprich Leserschaft lieber nur noch via Facebook anzusprechen, weil die Leser ja dort ohnehin sind. So reizvoll die Idee, so gefährlich scheint mir die vollständige Realisierung. Denn hat ein Unternehmen einmal seine eigene Webseite komplett aufgegeben, mag es durchaus sein, daß sich alle Kundenkontakte exzellent weiter via Facebook pflegen lassen – das ist ja ohnehin einer der wichtigsten Gründe für eine Facebook-Unternehmensseite. Dafür sprechen mag ferner, daß sich über eine derartige Kundenkommunikation deutlich Kosten sparen lassen, weil der Pflegeaufwand für ein eigenes Redaktionssystem (Content Management) im allgemeinen doch erheblich ist – mit Facebook geht all das deutlich simpler, schneller und vielfach sogar effizienter. (Beigetragen zu einer solchen Verlockung haben übrigens nicht selten auch Agenturen, die es gezielt darauf angelegt haben, ihre (Unternehmens-)Kunden in die eigene Abhängigkeit von der Agenturdienstleistung zu treiben). Wie so oft, hat ein solch verlockendes Angebot aber natürlich einen Pferdefuß: Denn jeder, der sich allein auf Facebook bewegt, macht sich natürlich wiederum abhängig, in diesem Fall: von Facebook. Daß dieses Unternehmen aber in erster Linie nicht am Wachstum Ihrer Firma, sondern eher am eigenen interessiert ist, liegt auf der Hand.

Das alles spricht aus meiner Sicht noch lange nicht dafür, möglichst Abstand zu Facebook zu halten – im Gegenteil. Allerdings sollten verantwortliche Unternehmenslenker doch einen Moment innehalten und überlegen, ob die allseitige Datensammelwut, die ja längst nicht nur Facebook befallen hat, nicht doch auch dazu angetan ist, immer mehr Nutzer zu verprellen. Immerhin gibt es eine Menge Leute, die es kein bißchen schätzen, wenn ihre Daten und “Gefällt-mir”-Vorlieben öffentlich allüberall “gepostet” werden – auch wenn Datenprostitution zum neuen Volkssport geworden ist. Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn auf einer Website mein Konterfei mit dem Vermerk “Dieser Beitrag gefällt auch Namensnennung) erscheint. Wenn aber die von mir derart “gelikten” Seiten gesammelt einem Unternehmen dargeboten werden (und das kann ich nun einmal nicht kontrolllieren) – das mich anschließend mit dubiosen Angeboten zuschmeißt – hm.

Was denken Sie über den Facebook-Gefällt-mir-Knopf auf Websites? Ich habe hierfür eine kurze Umfrage auf Twtpoll gestartet, zu der ich Sie gerne einlade:

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