Legende von der feindlichen Übernahme: Hochtief-Management spielt mit Öffentlichkeit und Politik

20. Oktober 2010
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Eine Aktie verbrieft einen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft und dokumentiert damit bestimmte Rechte als Miteigentümer einer Gesellschaft. Wer sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft wandelt und die Aktien an einer Börse zum Handel einführt, der unterwirft sich 1. dem Rechtsrahmen des Aktien- und Kapitalmarktrechts und 2. den "ökonomischen Gesetzen" des Kapitalmarktes, die besagen, dass derjenige am meisten bestimmt, der die meisten Anteile hat.

Dies vorangestellt verwundert das Verhalten des Vorstands von Hochtief, der mit Hilfe einer durchschaubarer PR-Arbeit  und neuerdings von Politikern plötzlich seine Prioritäten darauf konzentriert, die "Gesetze des Kapitalmarktes" für Hochtief zu ändern. Das Management von Hochtief will sich vor seinem Großaktionär, dem spanischen Baukonzern ACS, mit Instrumenten wie Weiße Ritter oder Kapitalerhöhungen "schützen". Daneben fordert der Betriebsrat des Baukonzerns mit Duldung des Managements sogar ein Eingreifen der Bundesregierung.

Die Öffentlichkeit soll mit vor Populismus triefenden Plattitüden, wie hier müsse ein gutes Unternehmen (Hochtief) nicht vor der Übernahme durch ein schlechtes Unternehmen (ACS) geschützt werden. ACS wird Böses unterstellt, wie etwa die Zerschlagung von Hochtief. Ich bin hier ganz beim Vorsitzenden der Monopolkommission, Justus Haucap, der Handelsblatt Online sagte:

"Die Forderung, dass wir einen großen deutschen Baukonzern benötigen, ist populistischer Quatsch“, sagte Haucap Handelsblatt Online. „Wir brauchen keinen nationalen Champion in der Baubranche.“ Nötig sei vielmehr Wettbewerb, der die Preise niedrig hält. „Und ob nun Unternehmen mit spanischen oder deutschen Aktionären um Aufträge konkurrieren, ist egal“, betonte der Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie an der Universität Düsseldorf ist. „Gebaut wird nämlich ohnehin in Deutschland. Immobilien kann man ja bekanntlich nicht importieren – daher auch ihr Name.“

Es ist daher kaum zu fassen, dass Politiker in NRW und in Berlin gar laut über eine Lex-Hochtief nachdenken, um die Möglichkeiten für feindliche Übernahmen zu erschweren.

Kaum öffentlich hinterfragt wird unterdessen die Frage auf, ob denn hier wirklich eine feindliche Übernahme vorliegt und aus wessen Blickwinkel sie als “feindlich” zu bezeichnen ist. Ein Blick in die Wikipedia:

"Mit dem Begriff der „feindlichen Übernahme“ bezeichnen in der Regel Manager eines Unternehmens die Handlung eines Investors, der beabsichtigt, dieses Unternehmen zu kaufen, und sich zu diesem Zweck direkt an die Eigentümer des Unternehmens (in der Regel mit einem öffentlichen Übernahmeangebot) wendet, ohne vorher die Einwilligung des Übernahmekandidaten eingeholt zu haben. Die Bezeichnung „feindlich“ stellt oft nur die ablehnende Sicht des Managements des Übernahmekandidaten – für den Kauf der Kapitalmehrheit an einem Unternehmen gegen den Willen von dessen Vorstand, Aufsichtsrat oder Belegschaft – dar; die Literatur spricht daher in diesem Zusammenhang statt von „feindlicher“ auch von einer „unkoordinierten“ Unternehmensübernahme."

Offenbar hat der Vorstand von Hochtief ein Problem mit dem Erwerb durch ACS. Dies allein ist aber kein Grund, sich dagegen zur Wehr zu setzen und erst recht nicht Politik und Öffentlichkeit dafür zu instrumentalisieren. Es entscheidet nämlich nicht der Vorstand über den Verkauf des eigenen Unternehmens, sondern die Eigentümer, sprich die Aktionäre. In Deutschland wird dies gern verdrängt.

Der Vorstand einer Aktiengesellschaft hat die Pflicht zum Wohle der Gesellschaft zu handeln und bei seiner Geschäftsführung die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters anzuwenden. Der Vorstand von Hochtief gibt hier vor, sich für das Wohl der Gesellschaft einzusetzen und unterstellt damit, dass ACS mit der Übernahme beabsichtige, dem Unternehmen zu schaden. Das ist eine sehr verwegene Spekulation, denn es ist nicht erkennbar und im Rahme gängiger ökonomischer und verhaltenstheoretischer Modelle nicht erklärbar, warum ein Aktionär, der mehrere Milliarden in den Kauf eines Unternehmens investiert sich selbst vorsätzlich schaden sollte. Daher liegt hier die Vermutung näher, dass sich der Vorstand vor allem selbst schützen will und vielleicht, wie im Fall Mannesmann – Vodafone, auf bessere Gebote hofft.

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