Können neue Drachmen Griechenland helfen?

27. April 2010
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In nigecus‘ Blog bin ich auf den Vorschlag gestoßen, dass Griechenland nicht aus dem Euro austritt, aber neues eigenes Geld ausgibt. Alle Zahlungen der Regierung erfolgen dann in dieser Währung. Gleichzeit strebt es eine Umschuldung in Form eines Kapitalschnitts mit den Alt-Gläubigern an. Der Vorteil ist, dass die Privatwirtschaft nicht durch eine Währungsreform enteignet wird und nur der absurd große Staatssektor schrumpft.

Ich habe es noch nicht ganz zuende durchdacht, aber mir ein paar Gedanken zur möglichen Ausgestaltung gemacht.

Erste Frage wäre, wodurch das neue Geld gedeckt? Eine harte Deckung scheidet aus, denn das würde der gewünschten Abwertung widersprechen. Wäre das neue Geld zum Beispiel goldgedeckt, so könnte es gegenüber dem Euro ja sogar steigen. Ungedeckt wäre das Geld vermutlich wertlos.

Entscheidend auch: Wie wird das neue Geld wieder eingesammelt? Bzw. Wie kann es gegen die Deckung eingelöst werden? Die Idee war es ja Griechenland in der Eurozone zu halten. Dann muss ein Übergang zurück zum Euro existieren.

Eine Möglichkeit wäre es, das Geld an den Euro zu binden – aber natürlich nicht 1:1. Die Tauschquote sollte dem Haarschnitt bei der Umschuldung der jetzigen Schulden entsprechen. Das entspricht der Emission von Schuldscheinen, die der Altschuld gleichrangig ist. Bis zur Vereinbarung mit den Gläubigern notiert die neue Währung damit variabel zum Euro. Nach der Umschuldung ist der Wechselkurs fixiert und die Umtausch in Euros kann erfolgen. Griechenland ist wieder Euroland. Die Koppelung an die Umtauschvereinbarung erhöht auch den Druck auf die Gläubiger eine Vereibarung anzunehmen. Denn je länger die neue Währung existiert, je mehr davon ausgegeben wird, desto schlechter wird der Haarschnitt für die Gläubiger ausfallen, weil ausstehende Kreditsumme de facto um das ausgegebene neue Geld vergrößert wird.

Im Endeffekt ist dies eine Kürzung der Staatsausgaben nach der Rasenmähermethode. Zumindest der Staatsausgaben, die nicht als Sachleistungen erfolgen. Die Idee gefällt mir und ist in anderer Form schon mal von Kalifornien ausprobiert worden. Aber ich muss noch weiter darüber sinnieren.

(Ein Artikel des Blogs Verlorene Generation)

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One Response to “ Können neue Drachmen Griechenland helfen? ”

  1. Eric Schreyer on 28. April 2010 at 16:11

    Die Idee geht auf den Schotten John Law zurück. Er hat sie 1705 in seinem Essay „Betrachtung über Geld und Handel mit einem Vorschlag, die Nation mit Geld zu versorgen“ ausgeführt. Immerhin hat Law es geschafft, dass Münzgeld durch Papiergeld (Schuldscheine) ersetzt worden ist. Der Anreiz, diese Schuldscheine anzunehmen bestand anfangs darin, dass es dem Inhaber möglich war, damit seine Steuern zu bezahlen.

    Griechenland müsste zunächst Steuergerechtigkeit herstellen, bevor an die Ausgabe von Schuldscheinen zu denken ist.

    Es ist ein reizvolles Gedankenexpriment!Ich hoffe, Du meldest Dich, wenn Du weitergekommen bist ….

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