Griechenland, Euro und die widersprüchlichen Expertenvorhersagen zum Ausgang der Währungs- und Schuldenkrise

18. Mai 2010
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Glaubt man den Schlagzeilen der Wochenendepresse, dann steht in dieser Woche mal wieder ein Shootout zwischen den Finanzmärkten und Spekulanten auf der einen Seite und Politikern und Notenbanken auf der anderen Seite um den Euro und die Schuldenkrise bevor. In diesem Blog habe ich dazu genug in den letzten Wochen geschrieben und will mich nicht dauernd wiederholen (siehe unten).

Es fällt aber auf, dass immer wenn die Anspannungen an der Finanzmärkte stärker werden, die “Qualitätspresse” wieder jede Menge “Experten” mit den unterschiedlichsten Vorhersagen präsentiert. Wer will, der findet dann regelmäßig für jede Bewegung eine Erklärung und jede Menge unterschiedliche Zukunftsszenarien. Der Blick Log hatte vor einigen Wochen bereits geschrieben, dass angesichts der Bandbreite die Prognosen und Weisheiten von Ökonomen allenfalls anekdotischen Charakter für den Smalltalk haben.

Und von diesen Anekdoten gab es in der letzten Wochen wieder viel zu viel. Dabei langweilt vor allem, dass immer die gleichen Experten zu Wort kommen. Immerhin hat das Handelsblatt mit Gerald Celente einen noch nicht so häufig zitierten Namen präsentiert. Der Gründer des Trends Research Institute in Kingston (USA) erwartet, dass die Finanzmärkte zusammenbrechen, die Europäische Währungsunion zerbrechen und die Welt in eine große Depression schlittert. Die “Investorenlegende” Jim Rogers dagegen setzt in einem Interview mit Spiegel Online auf den Euro und rechnet damit, dass es der Wirtschaft bald wieder besser geht. Der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson wiederum erwartet im Interview mit dem Handelsblatt ein "langsames Dahinsiechen" des Euros.

Untermauert werden in diesen Tagen die düsteren Prognosen durch quasi offizielle Statements, wie von Obama-Berater Paul Volcker, der einen Kollaps der Euro-Zone fürchtet und EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der von der „schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg“ spricht.

Neben diesen Ansichten, findet man ein große Bandbreite weiterer Ansagen in den letzten Wochen. Taleb hat in einer Panel-Diskussion betont, dass es zu einem Crash der US-Anleihen kommen wird. Der Deutschland-Chefvolkswirt von Barclays Capital warnt vor der Geldvermehrung durch die Notenbanken und in der Folge vor Inflation. Fredmund Malik skizziert in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt die Kausalkette einer Deflation und sieht in diesem Zusammenhang drastische Kursrückgänge. Inflation werde sich als Illusion erweisen. Die Inflation wiederum sieht das Manager Magazin im Anmarsch und versucht dies mit einer Reihe von Gründen zu belegen.

Zur Griechenland Krise warnen einige Ökonomen vor dem Domino-Crash oder sehe den Euro gefährdet. Das Handelsblatt malte ungewohnt schwarz mit “Ein geplünderter Staat vor dem Bankrott“. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger gibt sich dagegen entspannt und meint, eine griechische Staatspleite würde der Euro zur Not verkraften. Der Deutschlandchef von Morgan Stanley, Dirk Notheis, sieht im Gespräch mit dem Handelsblatt die Gefahr, von der Finanzmarktblase in die Staatsblase hineinzuschlittern.

Fein, dass sich die Elite der Finanzmärkte so einig ist. Ob und wer am Ende tatsächlich Recht hat und welche Auswirkungen dies hat, wird sich zeigen. Sollte eine der besonders dunklen Prognosen eintreten, dann wird man sich (ähnlich wie man sich nach der Finanzkrise 2008/09 über das Ignorieren einiger Prognosen gewundert hat) wieder fragen, warum hat man denn auf Gerald Celente oder Trichet nicht gehört, sie haben es doch gewusst. Tatsächlich weiß es aber weder Celente, noch irgend jemand anders, was kommen wird. Nur in der ex-Post Betrachtung wird irgend jemand Recht bekommen.  Fein, dass wir so eine wunderbare Auswahl von Vorhersagen haben, denn da wird eine schon richtig sein.

Aktuell hat die von den offiziell und inoffiziell Berufenen ausgerufene Krise kaum eine fühlbare Auswirkung auf die Realwirtschaft. Die US-Wirtschaft befindet sich auf Erholungskurs und die für die deutsche Wirtschaft erwarten Ökonomen 2010 eine positive Überraschung. Aber auch hier muss die Aussagen nicht in die Akropolis gemeißelt sein.

Blick Log zu Griechenland, Spekulation und Finanzmärkten in den letzten Wochen

Böse Spekulanten: Wer sind die eigentlich “die Märkte”?

Geliehene Hausse: 750 Mrd. Bailout und EZB-Helikopterpolitik mit Null-Informationspolitik

Warum sollen Frau Merkel, Rating-Agenturen und Spekulanten an Griechenland-Tragödie Schuld haben?

Crux und Frust mit Griechenlandhilfen und Rating in Europa

Griechenlandhilfe: Bund wird zum größten Spekulanten, wenn er 40 Mrd. Kredite nicht absichert

Griechenland, Portugal und mehr: Am Tipping Point der Liquiditätskrise? (+ Presse und Blogschau)

Wetten wirklich Spekulanten gegen Griechenland? Staaten selbst sollten aktiv sein

Das Spiel des “Smart Money” mit Griechenland

Schäuble mit Nachrichtendiensten gegen (staatliche?) CDS-Spekulation?

Absurdistan um Verteufelung der Credit Default Swaps

Griechenlandkrise: Ein Herz für Kreditderivate und gegen opportunistisches Moral Hazard

Mit Credit Default Swaps europäischer Schuldenmärkte abschießen?

Schmutzige Tricks von Goldman Sachs für Griechenland verursachen Milliarden-Schaden

Medien und Blogs zu Griechenland und Euro

FAZ: EZB-Chefökonom Stark „Wir haben Zeit gekauft, mehr nicht“: Ohne die Interventionen hätte die Krise nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, eine neue Dimension erlebt. Im Interview mit der F.A.S. spricht er über die Schuld der Politik und die Unabhängigkeit der Zentralbank.

VG: Wie die Politik den Euro „rettet“

SZ: Deutschland lebt unter seinen Verhältnissen: Die Spekulanten sind schuld an der Eurokrise,und die Bundesrepublik ist ein Opfer? Alles Märchen!

Economist: The euro and the future of Europe: No going back: Ambitious but incomplete, the rescue plan for the euro could change the way Europe is run

FAZ: Der Euro stürzt abHier sind die Verdächtigen: Spezial Politiker sprechen von einem „Krieg“ gegen den Euro und blasen zum Kampf gegen Spekulanten. Es geht um nichts weniger als um die „Generalmobilmachung der Staaten“. Doch wen genau meinen Politiker eigentlich, wenn sie von ihrem Gegner sprechen?

Spain is the perfect example of a country that never should have joined the euro zone

SB2.0: Maybrit Illner trifft Josef Ackermann: Deutsche Bank-Chef zelebriert Social Media

Zeit: Euro-Krise Der Abwertungswettlauf hat begonnen: Deutschland will eine restriktive Finanzpolitik in Europa durchsetzen. Das schwächt den Euro und könnte der Beginn eines Abwertungswettlaufs sein, bloggt R. v. Heusinger.

FAZ: Euro-Krise – Die Politik begreift die Zocker nicht: Die Regierungen werden von den Kapitalmärkten gehetzt. Die Politiker flüchten sich in Rhetorik gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und gegen die Spekulation an sich.

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One Response to “ Griechenland, Euro und die widersprüchlichen Expertenvorhersagen zum Ausgang der Währungs- und Schuldenkrise ”

  1. Martin on 14. Juni 2010 at 08:20

    Das erschreckende ist, dass sich momentan eigntlich seriöse Wirtschaftszeitungen darin überschlagen: wer bringt den schrillsten Beitrags-Aufmacher und die alarmierensten Nachrichten zur Eurokrise. Keine Übertreibung kann gross genug sein. Dabei weiß man ja eigentlich, dass Finanzmärkte sensibel auf Schlagzeilen reagieren.

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