Gibt es einen umgekehrten Murphy?

4. Februar 2011
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Eines der grössten und bekanntesten Projekte der Menschheit ist wohl die Mondlandung 1969. Erst heute wird langsam klar, wie es sich abspielte1. Es war eine einzige grosse Bastelei. Trotz vielen Rückschlägen und Katastrophen trieb die NASA das Projekt auf niederen Qualitätsniveau voran. Die Saturn-Rakete bestand aus drei Millionen Einzelteilen. Was konnte da nicht schief gehen?

  • Die ersten Astronauten beschwerten sich, weil überall in der Kapsel Kabel frei herumlagen oder frei herunter hingen.
  • Während eines Tests ein paar Monate vor dem Mondflug verbrannten drei Astronauten am Boden in der Raumfähre, weil man die Kapsel mit reinem Sauerstoff voll pumpte. Welch’ stümperhafte Idee! Natürlich trat Murphy in Kraft: es gab einen Kurzschluss und ein Funken führte zur Explosion.
  • Beim Test der Mondlandefähre “Eagle” auf der Erde stürtze Armstrong fast ab und musste sich mit dem Fallschirm retten
  • Die eigentlich Mondlandung mit der Eagle war die reinste Höllenfahrt. Die Fähre trieb in ein felsiges Gebiet ab, in dem eine Landung fast unmöglich war. Die Systeme fielen aus, es hagelte Fehlermeldungen, wie 16-68 oder 22-9-35. Ein 24jähriger Programmierer fand die Fehlermeldungen in einem Manual erwähnt und verstand, dass das Programm dennoch weiterhin ausgeführt wurde, wenn die Fehlermeldungen nicht laufend auftraten. Daher entschied die NASA, die Landung fortzusetzen.
  • Niemand wusste, ob sich Eagle für die Rückkehr wieder erhob. Bevor sie starteten, stellten Armstrong und Aldrin fest, dass ein Hebel der Armaturen abgebrochen war. Was für ein Spielzeug musste das gewesen sein? Aldrin steckte einen Kugelschreiber in das leere Loch, wo vorher der Hebel war und bediente die Armeturen auf diese Weise.

Das ist nur eine kleine Auswahl von Ereignissen, über die man sich nur wundern kann. Aber so werden auch heute noch viele Projekte gemacht und Unternehmen geführt. Eigentlich entspricht Improvisation und Ausprobieren der Arbeitsweise des Menschen. Das bringt mich auf die Idee, dass mehr gut geht, als man eigentlich erwarten kann. Was haben wir Menschen bisher nicht alles gebastelt? Autos, Computer, Atomuhren, Flugzeuge, etc. Ein Wunder, dass das alles funktioniert. Die Wahrscheinlichkeit spricht dagegen. Dennoch klappt’s auf wundersame Weise.

Ich denke, es gibt einen umgekehrten Murphy: Wenn man nur ungefähr in der richtigen Richtung geht, kommt man meistens an.

Eigentlich schade! Die meisten Leute glauben nämlich, es hätte ihretwegen geklappt. Dabei mussten sie nicht einmal viel denken. Vermutlich hätten sie auch Mühe damit gehabt.

1National Geographic Channel HD, Deutsch. 4. Februar 2011, 09:45 h: Die Geheimnisse der Geschichte. Die Geheimnisse der Mondlandung(The Secrets Of The Moon Landing).

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3 Responses to “ Gibt es einen umgekehrten Murphy? ”

  1. Der Börsenphilosoph on 9. Februar 2011 at 09:59

    Der Weg der kleinen Schritte und hinnehmbaren Risiken ist oft die beste Strategie in unsicheren Umgebungen. Das gilt für Unternehmen und für Projekte, sowie im gleichen Maße in der Politik oder sonstwo im Leben.
    Kalkuliert man Murphys-Gesetz im Kleinen, wirkt es im Großen umgekehrt.

    Ihr Börsenphilosoph

  2. Peter Addor on 9. Februar 2011 at 16:55

    Wie bitte? “Hinnehmbare Risiken”? Eine Kapsel voll herumliegender elektrischer Drähte und drei Familienvätern mit Sauerstoff zu füllen, ist ja wohl kein “hinnehmnbares Risiko”. Ich spreche von der epistemischen Arroganz und dem “Alles-ist-machbar”-Wahn unserer Entscheidungsträger und ihrer Unfähigkeit, Murphys Gesetzt im Kleinen zu kalkulieren.

    Ihr Projektphilopsoph

  3. Der Börsenphilosoph on 12. Februar 2011 at 22:10

    Sehr geehrter Herr Addor,

    vielen Dank für Ihre Antwort.
    Ein Menschleben als “hinnehmbares Risiko” zu bezeichnen, ginge auch mir zu weit.
    Meine Absicht war es, insbesondere die Vorteile von Improvisation und Ausprobieren zu betonen.
    Den Entscheidungsträgern nur Arroganz und Unfähigkeit bei der Risiko-Kalkulation vorzuwerfen, finde ich zu einfach.
    Wie wäre es, wenn man sich eher über die persönlichen Konsequenzen für die Entscheidungsträger unterhielte? Könnten nicht allein schon dadurch Systemrisiken vermindert werden? (s. die Risikofreude bei Investmentbankern)

    Mit freundlichen Grüßen,

    Ihr Börsenphilosoph

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