
- Image by Roberto Rizzato â–şpix jockeyâ—„ Facebook resident via Flickr
Wenn deutsche Sender wie MTV aussteigen, weil ihnen der Clip “zu heiĂź ist”, ist garantiert, daĂź der Clip ein Internet-Mega-Erfolg werden dĂĽrfte. Zensur bringt stets eines auch: Einen Tsunami an Aufmerksamkeit. So gesehen hat die neue Queen of Pop genau den richtigen Hebel umgelegt, um – getreu dem Motto “Sex sells” und einer provokanten Mischung aus Gewalt, Knastalltag und sexualisierten Anspielungen in einem absolut professionell produzierten Video ihren Song “Telephone” zu vermarkten. Ganz unabhängig davon, wie man zu den Szenen auch stehen mag – der Clip, den Lady Gaga zusammen mit Beyonce da hingezaubert hat, besticht vor allem auch durch einen eingängigen Pop, der zur Abwechslung auch mal wieder provoziert und nicht im deutsch-bieder-braven-Teenager-Verheiz-Kleidchen Ă la “DSDS” oder “Germanies next Topmodel” daherkommt. Allein die Outfits der Dame belegen, daĂź der Madonna-Faktor also bis heute fĂĽr das Selbstmarketing und die eigene Markenbildung funktioniert: Durch kontrollierten Tabubruch bzw. dezent-gekonnte RegelĂĽberschreitung so viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, daĂź schon dadurch Neugier selbst bei denen geweckt wird, die dieser Form des RegelverstoĂźes sonst kritisch gegenĂĽber stehen. Mit anderen Worten: An so einem Rave kommt niemand vorbei.
Was aber läßt sich daraus fĂĽr die eigene Markenbildung ableiten? Aus meiner Sicht soviel: Wer als Unternehmer oder FĂĽhrungskraft immer im “Mainstream” der konsequenten Regelbeachtung bleibt, muss sich nicht wundern, wenn die Wettbewerber an einem vorbeiziehen. HeiĂźt das also im Umkehrschluss: Spielregeln verletzen, schon verkauft man besser? Nun, ganz so simpel funktioniert Markenbildung dann auch wieder nicht. Produkt bzw. Dienstleistung mĂĽssen schon stimmen, anders formuliert: Es muss einen Mehrwert geben, ĂĽber den zu reden sich lohnt.
Halt, könnten Sie einwenden: DaĂź Produkt und Dienstleistung anderen einen Mehrwert bringen mĂĽssen, ist einen Binsenweisheit – wĂĽrden sie das nicht, bräuchte es das Unternehmen gar nicht. Wenn man aber davon ausgeht, daĂź diese Binsenweisheit jedem Unternehmer klar sein muss, stellt sich die Frage: Wenn ein solcher Mehrwert bei jedem Unternehmen eindeutig erbracht wird: Warum tun manche (oder viele?) Unternehmen oder Unternehmer (in Deutschland?) dann so erstaunlich wenig, um ihre Produkte und Dienstleistungen “ins Gespräch” zu bringen? Ich habe hierfĂĽr meine eigene Theorie:
1. Weil viele Unternehmer kaufmännisch geschult sind, d.h. gut mit – offensichtlichen – Zahlen umgehen können, wissen sie meist sehr genau, wann ein Geschäft Geld bringt und wie sie ihre Kosten kalkulieren. Kommunikationskosten (fĂĽr traditionelles Marketing wie Flyer, ImagebroschĂĽren, Geschäftsberichte, Website-Programmierung u.ä.) sind den meisten zwar ein Begriff und sie wissen auch, daĂź sie daran gerne sparen möchten. Nicht bewusst aber ist vielen, daĂź Kommunikation, insbesondere strategische Kommunkation via moderne Kommunikationskanäle wie Twitter, Facebook, Youtube und Corporate Blogging dabei helfen kann, den Mehrwert der eigenen Produkte und Dienstleistungen auf eine radikal wirksamere Art und Weise an viel mehr Menschen zu vermitteln, als sich mancher träumen lässt. (Wer sich etwa die Kommunikation in der deutschen Bankenwelt ansieht, der fragt sich, ob man in Bankkreisen wirklich schon begriffen hat, was die Finanzkrise an VerwĂĽstungen der eigenen GlaubwĂĽrdigkeit – Reputation! – hinterlassen hat, und warum hier so elendiglich wenig Wandel zu erkennen ist, von wenigen hoffnungspendenden Ausnahmen (s. Fidor-Bank) einmal abgesehen.)
2. Deutsche Unternehmen bzw. Unternehmer sind international fĂĽr ihre Planungsstärke und Präzision bekannt und werden deshalb auch geachtet. Social Media-Nutzung, kontrollierter Tabu-Bruch oder auch “sich ins Gespräch bringen” gilt aber nach wie vor – und vielleicht gerade deshalb vielen als “unfein”. “So etwas tut man nicht”, so die gängige Ăśberzeugung. Kontrolle abgeben, indem man sich als Unternehmer also auf Debatten mit möglicherweise kritischen Kunden im Internet einlässt, igitt, da könnte ja etwas daneben gehen in der ach so kontrollierbaren Unternehmenskommunikation, in der ja immer der Chef und AnfĂĽhrer bestimmt, wo’s langgeht. Das hat in der Vergangenheit blendend funktioniert – und sicher ist nicht jedem Unternehmen zu empfehlen, gleich ĂĽberall die öffentliche Auseinandersetzung zu suchen. Allerdins ist schon erstaunlich zu beobachten, wie wenig manche Unternehmen offenkundig von Ihren Kunden und deren Meinungen zu halten scheinen – und, wenn sie doch viel davon halten: Warum sie davon dann “so wenig Aufhebens machen”.
Und damit sind wir beim Lady Gaga Marketing, was so viel heiĂźt wie: Bring Deine Assets auf möglichst ungewöhnliche Weise “unter’s Volk”. Lass alle den Sex-Appeal Deiner Produkte und Deiner Services spĂĽren. Packe Emotion in Deine Gespräche, Deinen Online-Dialog, Deinen Blog-Eintrag – und vergiss nie, daĂź eines in der Kommunikation tatsächlich tabu sein sollte: Langeweile!
In diesem Sinne wĂĽnsche ich Ihnen: Mehr Lady Gaga Marketing auch fĂĽr Ihr Unternehmen. And here’s the Spot:

![Reblog this post [with Zemanta]](http://img.zemanta.com/reblog_e.png?x-id=dedb3f21-35c9-4018-8e33-8a38fcd98a78)



