Finanzblog Award: Vom Schattendasein ins Rampenlicht?

25. Januar 2011
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Haben Finanzblogs das Potential, vom Außenseiter zu den Vorreitern in einer vernetzten Medienwelt heran zu reifen? Denn wer die aktuelle Mindmap beim Blicklog vom Januar 2011 studiert, wird feststellen, dass die Zahl der Wirtschafts- und Finanzblogs weiter wächst.

Von einer Revolution oder gar Etablierung eines neuen Medienformats zu sprechen, erscheint allerdings verfrüht. Dennoch: Die Szene der klassischen Wirtschaftsberichterstatter, Marktanalysten und Finanzpropheten wird durch die einschlägige Blogosphäre bunter, vielfältiger, mitunter auch erheblich detailreicher und kritischer.

Das ist auf alle Fälle eine gute Nachricht, für eine „Umsonst-und-Kostenlos“ Kultur der Nachrichtenverbreitung im Netz, die man bis dato immer noch als eine vernachlässigbare Größe ansehen darf, wie ich es  bereits des öfteren aufgezeigt habe.

Nun aber zum eigentlichen Thema. Die Direktbank comdirect Bank AG lobt erstmals den  Finanzblog-Award aus. Dies lässt erkennen, dass die Finanzblogger erst genommen werden.

Hier die offizielle Ankündigung der Veranstalter comdirekt Bank AG:

Die Medienlandschaft hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Privatanleger finden nützliche Informationen zu Strategien, Märkten und Produkten zunehmend im Internet. Dabei kommt Weblogs eine wachsende Bedeutung zu. Viele Blogs beinhalten qualitativ hochwertige Informationen und schaffen gleichzeitig Raum für inhaltlichen Austausch und Diskussion. Allerdings erscheint die Blogosphäre im Vergleich zur klassischen Medienlandschaft noch unübersichtlich. Gute Weblogs zu Finanz- und Anlagethemen sind nicht immer einfach zu finden und manchmal eher „Geheimtipps“.

Um dies zu ändern und hervorragenden publizistischen Leistungen auch außerhalb der Blogosphäre zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, wird 2011 erstmals der comdirect finanzblog award vergeben. Eine unabhängige Jury zeichnet Weblog-Betreiber und -Autoren aus, die Privatanleger verständlich, kompetent und kritisch informieren und ihnen somit eine Orientierung in der komplexen Welt der Finanzen bieten.

Wer sich als schon seit längerem aktiver Finanzblogger bewerben will, sollte sich auf folgendes Profil einstellen:

Bewertet werden insbesondere folgende Aspekte:

  • Qualität der Texte
  • Sprache und Inhalt
  • Gestaltung
  • Service
  • Gesamteindruck

Ebenfalls fließt in die Bewertung der Blogs ein, ob allgemeine journalistische Standards eingehalten, Anforderungen an Finanz- und Anlagethemen erfüllt sowie vorhandene Darstellungsmöglichkeiten im Internet genutzt werden.

Quelle: finanzblog-award.de

Die Preise Eins bis Drei sind mit 3.000, 2.000 und 1.000 Euro dotiert, dazu gibt es einen optionalen Sonderpreis mit ebenfalls 1.000 Euro. Ich selbst habe mich dazu bereit erklärt, in der Jury mitzuarbeiten.

Überzeugt hat mich der durchdachte Kriterienkatalog zur Preisvergabe. Als Vertreter der weit verzweigten Blogosphäre sehe ich meine Aufgabe darin, nicht nur meine konkreten Erfahrungen als Blogger einfließen zu lassen, sondern der „Sphäre“ eine Stimme und Gewicht zu verleihen.

Der Finanzblog-Award kann aus meinem Verständnis heraus dazu beitragen, eine vernachlässigte informelle „Mediengattung“ vom Schattendasein stärker ins Rampenlicht zu befördern, was zur weiteren Professionalisierung der bunten Szene beitragen könnte. Denn „die“ Blogosphäre kann die Leser letztlich nur mit hoher Qualität, Fleiß, Leidenschaft, aber auch einem gehörigen Maß an Disziplin, binden.

Darüber hinaus könnten sich die arrivierten Türwächter in der Medienwelt durch vorsichtige  Aufnahme der Neumitglieder aus der finanziellen Blogosphäre selbst wieder mehr frisches Leben und Vielfalt einhauchen. Kurzum, es braucht eine Medienwelt, in der Fachzirkel sich nicht nur  selbstreferenziell zu vorherseh- und austauschbaren Analysen verabreden, sondern in dem neue Plattformen zu einem vielschichtigen Bild über die Finanzwelt beitragen.

Wenn mit Hilfe von Finanzblogs ein besser informierter und in finanziellen Dingen aufgeklärter Verbraucher heraus käme, dann hätten die Blogger ihren kleinen Beitrag dazu geleistet. Wer möchte, der sollte also teilnehmen, um sich der sportlichen Herausforderung zu stellen, durch den Preis in den Genuss einer „mentalen Anschubfinanzierung“ zu gelangen. Damit die Puste beim Bloggen nicht gleich wieder ausgeht.

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