Enterprise 2.0 begreifen

25. August 2010
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Vor kurzem habe ich den exzellenten Beitrag zum Enterprise 2.0 von Dr. Frank Schönfeld zitiert, heute nun stoße ich wie DoubleYUU auf das Video von Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger und Prof. Peter Kruse, Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Universität Bremen sowie Geschäftsführer der Nextpractice GmbH, der sich in seinen interdisziplinären Forschungen vor allem der Nutzung von kollektiver Intelligenz zur Förderung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse widmet. Netzwerkkultur-Nerd Kruse und Sattelberger philosophierten im Juli mehrere Stunden über den Einfluss des Web 2.0 auf die Unternehmenswelt von heute – der Dialog wird ausführlich auf der HR-Plattform Scope 09 diskutiert. Die Whoiswho-Bloggerin Ulrike Renate Reinhard präsentiert das Video auf ihrem Youtube-Channel, um gleich mit dem Irrtum aufzuräumen, hier handle es sich „um etwas Neues“. Zitat: „Die Vernetzung von Mitarbeitern inner- und außerhalb des Unternehmens, das Ermöglichen intensiver Kollaboration und ungehindertem Wissens- und Informationsaustausch zählen schon immer zu den Kernthemen der Personalarbeit, auch wenn sie im Unternehmensalltag noch allzuoft nicht die nötige Beachtung finden.“

Nun möchte ich hier gar nicht weiter auf die Debatte eingehen, ob die Personaler und ihre Arbeit in Unternehmen angemessen gewürdigt werden – oder tatsächlich die Bedeutung besitzen, die sie für sich beanspruchen. Spannend an dem Dialog finde ich vor allem, daß Sattelberger doch tatsächlich Großunternehmen als die letzten bolschewistischen Organisationen unserer Zeit bezeichnet (!) Peng. —– Wie bitte, das sagt jemand, der im Vorstand der Telekom sitzt? Gilt das also auch für die Telekom? Interessant wird dies ja gerade auch vor dem Hintergrund, daß hierzulande Unternehmen schon einmal in großem Stil mit einem Antibolschewismusfonds sogenannte „Freikorps“ finanzierten, um die Rätebewegung in Deutschland niederzukämpfen. Nun liegt mir nichts ferner, als ausgerechnet einem Telekomvorstand Geschichtsblindheit oder gar begriffliche Schluderei vorzuwerfen, aber verblüffend finde ich doch, daß hier einer, der doch seine Position einer solchen Großorganisation verdankt, solchen Großorganisationen „fast umweltresistentes“ Verhalten vorhält. Gemeint: Großunternehmen und Konzerne „schotten sich ab“.

Hm. Tun sie das wirklich? Glaubt man einer Studie der Deutschen Bank, dann nutzen längst 70 % der deutschen DAX-Unternehmen Social Media Kanäle und Web 2.0-Technologien. Das würde ich also nicht unbedingt „abschotten“ nennen. Im Gegenteil. Mein Eindruck ist eher: Großunternehmen wissen längst und setzen längst professionelle Kommunikationstechniken des WEB 2.0 ein, nicht immer und überall souverän genug (s. BP im „Oilspill“ und Nestlé contra Greenpeace), aber doch deutlich wirksamer, effizienter, selbstverständlicher als der „normale“ Mittelständler, der sich viel in aller Regel viel schwerer tut in der professionellen Umsetzung einer Social Media Strategie. Um so interessanter also der Dialog, der dem einen oder anderen vielleicht einen Aspekt aufzeigen mag, warum es längst und dringend nötig ist, umzudenken.

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One Response to “ Enterprise 2.0 begreifen ”

  1. Markus St. on 27. August 2010 at 09:03

    Hi.

    Ich finde die Argumentation durchaus korrekt – gerade die Telekom ist ein Beispiel dafür! Sie schottet ihren Markt gegen die Social Networks ab und versucht mit dem Mediencenter und dem Entertain Paket gerade ein eigenes Social Network zu etablieren – was meiner Meinung nach komplett zum Scheitern verurteilt ist.
    Aber die alte Telekom Einstellung (Monopolist) ist immer noch vorhanden.

    Weiterhin müssen Stellen bei der Telekom Stellen immer erst intern ausgeschrieben werden bevor externe zugelassen werden.
    Und da kann ich den Personalvorstand – der darunter leiden wird, weil es notwendigen Zulauf von aussen erschwert – durchaus verstehen wenn er von Abschottung redet.

    Zum Thema Mttelständler habe ich den Eindruck, dass der Vergleich mit den Großunternehmen unfair ist. Erstens gibt es eine viel größere Massen an Mittelständlern, die lange nicht so präsent sein können wie 70% der Top Unternehmen in Deutschland und zweitens zählt bei den Mittelständlern jeder Euro und es ist dort nicht so einfach die Budgets für eine Social Media Strategie zu erarbeiten und schon gar nicht direkt nach der Krise.

    Aber wie gesagt – alles nur meine Meinung!

    Beste Grüße,

    Markus St.

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