Ein halbes Prozent der Menschheit besitzt 36% des globalen Vermögens

13. Oktober 2010
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Man sollte den Bericht nicht vor dem Frühstück lesen, aber unbedingt bisweilen vor dem Schlafengehen zur Hand nehmen: Dem „Global Wealth Report“ der Credit Suisse zufolge verdienen über drei Milliarden Menschen weniger als 10.000 Dollar im Jahr. Die Hälfte der Menschheit besitzt damit zusammen nur 4,2% des globalen Vermögens. Das ist die Realität am Boden der globalen Einkommenspyramide.

Oben, an der Spitze, sieht es so aus: Die reichsten 0,5%, mit Vermögen von jeweils über einer Million Dollar, besitzen 35,6% des weltweiten Vermögens. Die nächsten 334 Millionen Menschen (7,5% der Menschheit) vereinen nochmal knapp 44% auf sich.

Damit ist das globale Vermögen noch drastischer konzentriert als schon in den USA, wo die 10% Best-verdienenden die Hälfte des Volkseinkommens einstreichen, das reichste Prozent der Bevölkerung ein ganzes Viertel.

Umgekehrt gesagt: Um zur reicheren Hälfte der Menschheit zu zählen, muss ein Erwachsener lediglich 4.000 Dollar besitzen – nach Abzug von Schulden, versteht sich. Doch um zu den Top 10% weltweit zu gehören, muss man schon 72.000 Dollar haben, und über 588.000, um zum erlesenen Kreis der reichsten 1% zu gehören.

Im Klartext: Es ist dieser krasse Einkommensunterschied, vor allem zu den armen und Schwellen-ländern, der uns alle im Westen so leben lässt. Die untere Hälfte der globalen Einkommenspyramide – das ist die gute Nachricht – zeichnet sich nicht nur durch lächerlich geringe Vermögensanteile aus, sondern auch durch hohe Zuwächse. Das ist vor allem der Effekt von rasant wachsenden großen Schwellenländern wie Indien und China.

Chinas Präsenz in der Spitze der globalen Pyramide ist noch nicht stark, aber im mittleren Abschnitt dominiert das Land bereits. Dennoch: China hat in der Top 10% der globalen Reichenskala bereits mehr Vertreter als jedes andere Land, außer den USA, Japan und Deutschland.

Die Credit Suisse zieht im Vorspann zu der Studie ein erstaunliches Fazit, was den Vermögensaufbau im abgelaufenen Jahrzehnt angeht: Trotz mehrerer Börsencrashs und trotz der geplatzten Immobilien-blase hat sich das globale Vermögen seit dem Jahr 2000 um 72% vermehrt. Und dieser Wohlstands-effekt – miserabel verteilt, wie er ist – geht nicht nur auf die explodierende Mittelschicht in den Schwellen-ländern zurück. Die Hälfte dieses Zuwachses, so die Bank, komme vom schwachen Dollar, der alle Assets außerhalb Amerikas aufwertet.

„Despite a decade of near-zero real returns on equities, several equity bear markets and the collapse of housing bubbles, we find that global wealth has risen by 72% since 2000. While nearly half of this change has been caused by the weaker dollar, strong economic growth and rising population levels in emerging nations have also been important drivers. The head of the (per adult) wealth league table is dominated by smaller, open economies – Singapore, Switzerland, Norway, as well as Australia and France.“

Despite a decade of near-zero real returns on equities, several equitybear markets and the collapse of housing bubbles, we find that globalwealth has risen by 72% since 2000. While nearly half of this change hasbeen caused by the weaker dollar, strong economic growth and rising populationlevels in emerging nations have also been important drivers.The head of the (per adult) wealth league table is dominated by smaller,open economies – Singapore, Switzerland, Norway, as well as Australiaand France.

Hier kommt noch ein sehr vielsagender Chart. Er zeigt die Aufteilung des Vermögens in einzelnen Ländern in verschiedene Assetklassen. Während in Schwellenländern die „non-financial“ assets – vor allem Häuser und bäuerliches Land – stark überwiegend, dominieren in entwickelten Ländern die Finanzassets, Aktien, Bonds, etc. Dieser dunkle Balken, der die Finanzassets zeigt, ist bei den USA besonders lang.

Damit ist klar, warum die Fed mit Zähnen und Klauen die Wall Street hochpeppelt. In Amerika steht einem beträchtlichen Finanzvermögen ein relativ hoher Schuldenberg gegenüber. Eine Deflation würde einen großen Teil des Vermögens auslöschen.

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