Dirk Elsner bei D-Radio Wissen – auch über Wirtschaftsjournalismus

14. August 2010
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„Dirk Elsner gehört im deutschsprachigen Raum zu den prominentesten Wirtschaftsbloggern – dabei ist er erst seit 2008 dabei“, schreibt Deutschland-Radio Wissen in der Ankündigung seines Online-Talks, nachzulesen im Original hier

Kompliment, Dirk, da haben sich die Kollegen ja richtig ins Zeug gelegt für Dich und genau genommen ist Dein Blicklog damit auch buchstäblich „geadelt“! Warum? Weil eines der traditionellen Medien gemerkt hat, daß im Netz mehr und Spannendes an Information zu finden ist, als gemeinhin in der sonst so gerne verschirrmacherten Öffentlichkeit zu lesen und zu hören ist? Oder ganz einfach deshalb, weil in Sachen Finanzkrise und folgendem Aufschwung kaum einer im Wirtschaftsmainstreamjournalismus alter Prägung jemand mit einer richtigen Einschätzung bzw. Vorhersage zu sehen und zu bemerken war?

Sieht man sich die Themen der „Analog-Menschen“ (ein wunderbar provozierender Begriff von Praetorius u.a. auf Twitter)  im Sommerloch 2010 an, dann wundert man sich ja ohnehin nur über die künstliche Aufgeregtheit in Sachen Streetview. Motto: Jeder nutzt Google gerne jeden Tag, aber wenn der „Datenkrake“ seit zwei Jahren Fotos auch in Deutschland machen will, sind die ersten, die ihre Häuser – Hosen voll, was? – gerne verpixeln lassen möchten, die Herrschaften aus der Politik (vermutlich um zu vertuschen, daß mit Staatsknete immer noch viel zu viel an überflüssigem Luxus subventioniert wird) Warum wohl, fragt man sich, schaffen es die traditionellen Medien also immer wieder so hervorragend, unisono an einem Strang zu ziehen und immer die gleiche Sau zur gleichen Zeit mit der gleichen Aufregung durchs analoge oder digitale Dorf zu jagen – statt eine ihrer wichtigsten demokratischen Aufgaben, die Kontrollfunktion, zu erfüllen? Tun sie doch? Tun sie nicht? Warum nur hat man aber dann ständig den Eindruck, daß man sich die ganze schöne und vielbeschworene Medienvielfalt beim Gang an den Kiosk eigentlich schenken kann, weil alle immer mit den gleichen Schlagzeilen aufmachen – und ihre wichtigste Rolle damit bestenfalls in der Papageienrolle sehen?

Nun, wer sich darüber wundert, verkennt, daß effiziente Panikmache, Katastrophenberichterstattung und Schreck- wie Zerrbilder immer schon ein erstklassiges Geschäftsmodell ergeben haben: Sind die Leser und Hörer, Zuschauer und Zuschauerinnen ordentlich verunsichert, schalten sie ein, reißen einem „das Blaadl“ aus der Hand, die Auflagen steigen, die Werbepreise ziehen an. (Bei SAT.1 hatten wir da früher mal einen Kollegen, der gerne von „unserem SAT.1-Hochwasser“ schwärmte, weil das die Quoten angeblich nach oben trieb). Morgens das „Zentralorgan der deutschen Befindlichkeit“ BILD lesen, tagsüber in allen anderen Medien nachplappern, nachverfilmen und abends die Reaktionen im heutejournal zeigen, dieses Modell hat doch über Jahrzehnte perfekt funktioniert, nur merken es inzwischen immer mehr, daß das mit Information nur bedingt etwas zu tun, geschweige denn: mit Nachrichten, nach denen man sich gemeinhin ja richten möchte. Hat Dirk dieses übliche Gewese heute also kritisiert? Hat er nicht. Medienschelte lag ihm völlig fern – und das alleine war eigentlich so unprätentiös offen und ehrlich und – klug, daß ich staunend am Kopfhörer hing, eine ganze Stunde lang, ganz einfach, weil es wunderbar entspannt zuging, so entspannt, wie man es eigentlich dieser Tage im permanent-hektischen Flügelgeschlage der ewig-Aufgeregten so gar nicht mehr kennt. Kompliment, Deutschlandradio – ich empfand diese Stunde Online-Talk heute als eine echte Sternstunde des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, und zum ersten Mal seit langem hatte ich heute das „Radiogefühl“: So muss Rundfunk sein, so kann er sein – und so hat er doch tatsächlich noch eine echte Berechtigung, für die man sogar Zwangsgebühren freiwillig zahlen möchte.

Aber vielleicht muss man tatsächlich ja auch keine Medienschelte betreiben, sondern schlicht anerkennen, was des Pudels Kern für alle ist, die sich in irgend einer Weise publizistisch betätigen: Es geht um qualifizierte Information zuerst – und erst in zweiter Linie: um Meinung. Dass Meinung dabei hierzulande auch noch gerne mit Meinungsmache verwechselt wird, steht wiederum auf einem anderen Blatt – und gerade deshalb war dieser heutige Online-Talk: Klasse!

Die DRadio-Wissen-Moderatoren Michael Gessat und Andreas Noll sprachen mit Dirk Elsner über aktuelle, wirtschaftliche Entwicklungen und den Erfolg einer eigentlich privaten Herzensangelegenheit – das Bloggen. Und daß wir mit dem Bloggerforum-Wirtschaft nicht fehlen durften, freut uns natürlich sehr – aber wir sind hier nur ein kleines, wenn auch buntes Mosaiksteinchen im viel komplexeren und hochspannenden Kosmos, den uns Dirk heute eröffnet hat. Wer die Sendung nachhören möchte, bitteschön: Hier geht’s direkt zum Podcast.

One Response to “ Dirk Elsner bei D-Radio Wissen – auch über Wirtschaftsjournalismus ”

  1. […] Bloggerforum Wirtschaft: Dirk Elsner bei D-Radio Wissen – auch über Wirtschaftsjournalismus […]

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