Böse Spekulanten: Wer sind die eigentlich"die Märkte"?

13. Mai 2010
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Die Finanzmärkte sollten gezähmt, die Spekulation (was Spekulation ausmacht, erklärt Valuation in Germany hier sehr gut) eingedämmt und die Zockerei beendet werden. Regierungen sind empört über den Spekulation gegen Griechenland und verschärfen den Kampf gegen Spekulanten. Die Märkte ignorieren die Anstrengungen der Eurozone oder die Finanzmärkte haben sich gegen den Euro verschworen. Solche oder ähnliche Aussagen hört und liest man täglich. Unklar bleibt aber, wer eigentlich mit den “Märkte” gemeint ist.

Das Handelsblatt stellt diese Frage ebenfalls und schrieb (paid content):

Wer nach dem Gesicht des Spekulanten sucht, den die Politik ins Visier nimmt, wird nicht so schnell fündig, wie es die deutlichen Worte vermuten ließen. Als bekanntester Devisenmarkt-Spekulant ist der Hedge-Fonds-Manager George Soros in die Geschichte eingegangen. … In der aktuellen Euro-Krise haben andere Spekulanten die Rolle von Soros übernommen. Hierzu zählt zum Beispiel John Taylor, Gründer des weltweit größten Devisen-Hedge-Fonds FX Concepts LLC mit Sitz in New York City, der derzeit ein Vermögen von rund neun Mrd. Dollar verwaltet. Taylor ist seit geraumer Zeit Dollar-Fan und überzeugt, dass der Euro bis August dieses Jahres auf 1,20 Dollar fallen wird. Entsprechend positioniert er sein Vermögen und verstärkt damit den Trend. Gehört er damit zu denen, die die Politik aufs Korn nimmt?

Eric Strutz, Finanzchef der Commerzbank, hat seine Zweifel, ob die Politik weiß, auf wen sie zielt: "Die Frage ist: Wer sind die Spekulanten wirklich? Das sind schon die Hedge-Fonds. Am Ende sind es aber natürlich diejenigen, die in Hedge-Fonds investieren", sagte er in Frankfurt. Darunter seien dann auch beispielsweise Versicherer. "Als Lebensversicherungskunde, der ich einer bin, muss ich jetzt eigentlich auch moralische Bedenken haben?"

Tatsächlich ist die Frage, wer eigentlich etwa gegen Griechenland oder den Euro spekuliert gar nicht so einfach zu beantworten. Griechische Anleihen fallen im Preis (vice versa steigt der Zins), wenn die Nachfrage nach diesen Papieren zurück geht. Ist es Spekulation, wenn ein Lebensversicher, der das Geld seiner Kunden ja irgendwie anlegen muss, nicht in griechische Anleihen investiert, sondern in aus seiner Sicht sicherere Produkte in anderen Währungen? Wohl kaum. Aber gerade auch die Zurückhaltung bestimmter Investoren kann ebenfalls einen Preisdruck erzeugen.

Natürlich kann der Druck auf Währungen und Anleihen auch durch bestimmte Handelsstrategien erzeugt werden. Michael Maisch nennt in einem Artikel Hedge-Fonds (paid content), die sich gegen den Euro positioniert haben könnten:

Allen voran John Paulson, der US-Hedge-Fonds-Manager, der mit Wetten auf einen Kollaps des US-Immobilienmarkts Milliarden verdiente und zuletzt im Zusammenhang mit Betrugsvorwürfen gegen die Investmentbank Goldman Sachs wieder in die Schlagzeilen geriet. … Ebenfalls mit am Tisch: SAC Capital, Greenlight Capital und Brigade Capital. Auch George Soros, der Altmeister der Hedge-Fonds-Branche, hat sich gegen den Euro positioniert. Zu den üblichen Verdächtigen zählt außerdem Brevan Howard, einer der größten europäischen Hedge-Fonds.

Daneben gibt es viele weitere Marktteilnehmer, wie Banken, Investmentfonds, Versicherer, Staatsfonds und natürlich auch Privatpersonen, die an den großen Kursschwankungen verdienen wollen. Vor einigen Wochen veröffentlichte der Blick Log außerdem eine Präsentation, die Zero Hedge zur Verfügung stellte, mit den 15 wichtigen institutionellen Investoren, deren Verhalten ebenfalls auf die Märkte beeinflusst:

MS 15 Investors That Matter

Es gehört aber zu den gern verbreiteten Legenden, dass sich die Investoren oder Hedge-Fonds gemeinsam absprechen oder gar in Hinterzimmern eine Strategie ausarbeiten, um bestimmte Währungen oder Wertpapiere zu Fall zu bringen.

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