“Briefkastenfirmen – Diese Firmen bunkern ihr Geld in der Schweiz”

10. September 2010
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Gerupfter Adler, Quelle http://hartgeld.com

Wer mit der Schweiz Geschäfte macht, kennt meist auch die Auskunftei Moneyhouse . Praktischerweise kann man hier Firmen und Einzelpersonen nicht nur “ins Visier nehmen”, sondern auch im Auge behalten: Jede neue Meldung, die im Schweizer Handelsregister veröffentlicht wird, landet damit automatisch im eigenen E-Mail-Fach. Vergleichbares wünscht man sich natürlich mit ähnlich bequemer Funktionalität auch in Deutschland – allein: Handling und Preise für einen ähnlich vergleichbaren und luxuriösen Service sucht man hierzulande vergeblich. Bei Moneyhouse lassen sich per Mausklick alle möglichen Netzwerkverbindungen von Einzelpersonen und Firmen als Netzplan-Grafik darstellen – was die Zu- und Einordnung möglicher Geschäftspartner doch sehr übersichtlich macht. Mit derlei Service wartet hier kaum eine Firma auf, zu sehr scheint hier das Prinzip “Schweigen ist Gold” zu gelten. In einem Land, in dem permanent neiderfüllte Wettbewerber lieber mehr oder weniger windige Rechtsanwälte loshetzen lassen, statt ihre Hausaufgaben in Sachen Innovation, Kundenfreundlichkeit, Produktnutzen und Kommunikation zu erledigen, jedwede Vertriebsaktivität  zusätzlich von einem übereifrig-aufgeblasenen Staatsaapparat mit überbürokratischen Wettbewerbsvorschriften abgewürgt wird, überrascht denn auch nicht, daß immer mehr Firmen ihr Heil lieber da suchen, wo der häßliche Giervater Staat nicht ganz so brutal die Umverteilungskralle ausfahren mag.

Und auch, wenn dieser Staatsapparat immer wieder die Propagandatrommel anwirft, um Indianer in “Steueroasen” mit deutscher Kavallerie niederzukartätschen: Tatsache ist, daß genau dieser großmäulige Staat problemlos wegsieht, wenn sich die allergrößten Firmen und Grosskonzerne bequem davonstehlen, um ihre steuerliche Belastung zu “optimieren”. Nun weiß davon jeder anständige Mittelständler, der noch Arbeitsplätze hierzulande schafft, davon schon lange ein Lied zu singen. Nett ist aber, wenn dann doch einmal Ross und Reiter genannt werden, wie Moneyhouse es mit heutiger Veröffentlichung getan hat. Die Plattform präsentiert dabei die 100 bekanntesten Firmen, die mit einer Firma in der Schweiz ihre Steuern “optimieren”. Die Aufzählung liest sich wie das Who-is-Who der deutschen Wirtschaft, darunter die Adolf Würth GmbH & Co. KG, die Allianz, B. Braun Melsungen AG, BASF, Bayer, Boehringer Ingelheim, die Dachser GmbH & Co. KG Oberwang-Kempten/Allgäu, die Deutsche Bank, Telekom, Dr. August Oetker KG, E.ON, Fresenius AG, Liebherr-International Deutschland GmbH, Robert Bosch AG oder Tchibo.

Moneyhouse zitiert aber nicht nur die großen Namen herbei, sondern bemerkt auch erstaunt: “Keiner redet von diesen Grossunternehmen oder stört sich daran. Nicht einmal die Politiker in deren Heimatländern”. Gut gebrüllt, Löwe! Nun, spannend wäre natürlich die Frage an die Länderfinanzminister – oder gar den Bundesminister der Finanzen, Wolfgang Schäuble: Gehört es denn zur offiziellen Politik nahezu aller etablierten Parteien, am Sonntag mit dem Zeigefinger zu drohen und Montag bis Freitag doch lieber wieder den Vollstrecker zu den KMU zu schicken, weil die seit Jahren zu schwach – oder charakterstark (oder doof?) sind, sich genauso davon zu stehlen? Vor diesem Hintergrund erweist sich manche Scheindebatte in diesem Land, zum Beispiel die, ob Sarrazin recht hat oder nicht, als plumpes, aber doch durchschaubares Ablenkmanöver.

Umgekehrt formuliert: Wenn es aber richtig ist, wie Großkonzerne sich hierzulande verhalten – dürfen wir dies dann als Aufforderung der Politik verstehen, es den Großen schnellstmöglich nachzutun? Ich meine: Höchste Zeit, endlich mit ein paar schizophrenen Haltungen hierzulande aufzuräumen. Entweder führen die Parteien bald wieder ernsthafte Diskussionen, die dem ganzen Land dienen. Und die genannten Großunternehmen quatschen nicht permanent über Corporate Governance und sonstige Leerfloskeln, sondern beweisen, wo und wieviel mehr sie an Verantwortung mittragen, mischen sich vielleicht auch einmal mehr in öffentliche Debatten zum Standort ein und überlegen, wie sie bei aller Steueroptimierung noch als Vorbild dienen können? Oder wir alle müssen uns überlegen, ob “etablierte Pfeifen” immer noch die Meinungshoheit in diesem Land behalten sollten. Gerade für sogenannte bürgerliche Parteien gilt hier eine deutlich höhere Bringschuld, wenn sie nicht wollen, daß immer mehr Menschen mit Spaß an Hochleistung sich mit Grausen abwenden, um so früh wie möglich, dann aber konsequent Richtung Steueroasen, zum Beispiel Schweiz, zu flüchten.

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