Bespitzelung von Seehofer, Müntefering, Lafontaine?

24. Februar 2010
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Horst Seehofer, (former) German Federal Minist...
Image via Wikipedia

Am heutigen Tage kochte der Stern eine Bespitzelungsaffäre hoch. Vorwurf an die Berliner Agentur CMK: Diese Agentur hätte Franz Müntefering, Oscar Lafontaine, aber auch Horst Seehofer systematisch bespitzelt, um Details aus deren Privatleben auszukundschaften und diese anschließend an die BUNTE zu verkaufen. Wörtlich heißt es heute beim STERN: Die Agentur CMK hat über mehrere Monate Spitzenpolitiker wie Oskar Lafontaine und Franz Müntefering ausgespäht. Die Rechercheaufträge kamen von der “Bunten”. Zitiert wird dort ein gewisser Thomas Walther, so der STERN, der für CMK den Privatwohnsitz von Franz Müntefering ausgespäht haben soll und mit stern.de über seine heimlichen Ermittlungen gesprochen habe. Der Geschäftsführer der Agentur CMK betreibe neben der Bildagentur “eben auch eine Detektei”. Die Details hierzu zunächst im Video von stern.de:

Die Berliner Agentur CMK, an die die Vorwürfe konkret gerichtet sind, distanzierte sich heute mit einer Pressemitteilung von den Behauptungen des STERN und – wörtlich: “widerrechtlichen Arbeitsmethoden”. Geschäftsführer Stefan Kiessling teilte auf BLOGGERFORUM-WIRTSCHAFT.DE-Nachfrage mit: “Die CMK IMAGES Presseagentur verurteilt jegliche widerrechtlichen oder unlauteren Arbeitsmethoden.

Bei ihrer Tätigkeit als professionelle Presse‐ und Bildagentur  halte CMK sich vollumfänglich an die presse‐ und standesrechtlichen – ethischen und gesetzlichen – Grundsätze.  Kießling:
“Wir fühlen uns den presse‐ und standesrechtlichen – ethischen und rechtlichen – Grundsätzen voll
und ganz verpflichtet”.  Die CMK-Mitarbeitenden seien gehalten, die journalistischen Richtlinien strikt zu
befolgen.” Widerrechtliches Verhalten, wie es in der aktuelle Ausgabe des „Stern“ kolportiert werde,
dulde die CMK “in keinster Art und Weise”.

Kießling bedauerte ferner “die durch den „Stern“‐Artikel ausgelöste Polemik und die  geschäftsschädigenden Vorwürfe ausserordentlich”. Die im   erwähnten Artikel unterstellten und von zwei ehemaligen freischaffenden Leuten offensichtlich auf eigene Faust durchgeführten, äusserst fragwürdigen Recherchemethoden missbillige die Agentur  ausdrücklich, nehme aber nichtsdestotrotz “die erhobene Kritik ernst”, werde diese intern genauestens prüfen. Sollte sich dabei herausstellen, dass sich aktuelle oder frühere Mitarbeitende
von CMK widerrechtlich verhalten haben sollten, werde die CMK‐Leitung entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen. Derzeit bestünden jedoch keinerlei Hinweise auf ein widerrechtliches  Verhalten seitens der CMK.

Die Agentur habe, so Kießling weiter, habe die Zusammenarbeit mit den beiden im „Stern“‐Artikel erwähnten, ehemaligen
freischaffenden Mitarbeitern Ende August 2009 von sich aus aufgekündigt. CMK IMAGES habe
bedauerlicherweise feststellen müssen, dass die Arbeitsmethoden der beiden Freischaffenden mit den
professionellen Grundsätzen der CMK IMAGES nicht vereinbar gewesen seien. Aus Gründen des
Persönlichkeitsschutzes wolle sich CMK zu den detaillierten Kündigungsgründen allerdings nicht näher
äussern.

Kießling kündigte ferner an, weiterhin offen zu informieren, wenn sich neue Anhaltspunkte ergäben. Als seit über zehn Jahren tätige,  professionelle Dienstleisterin
für journalistische Bild‐ und Textrecherchen stehe CMK u.a. übrigens auch in aktiver  Geschäftsbeziehung zur Illustrierten „Stern“.

Soweit also das Dementi. Tatsache bleibt: Sowohl aus dem Privatleben von Horst Seehofer als auch von Müntefering sind die Geliebten-Geschichten seit der Veröffentlichung von einschlägigen Bildern bekannt. Daß die BUNTE – und damit die Chefredakteurin Patricia Riekel – dabei beteiligt waren, die ja sonst eher durch bunte, nette Promi-Geschichten auf dem Marktplatz der Eitelkeiten unterwegs sind, ist ebenfalls unter aufmerksamen Beobachtern nichts wirklich Neues.

Interessant wird der Vorgang aber vor dem Hintergrund, daß die journalistische Wächterfunktion – verfassungsrechtlich garantiert – von Medien natürlich regelmäßig kollidiert mit einem prinzipiell durchaus gegebenen und berechtigten Interesse von “Promis”, in diesem Falle prominenten Politikern, ihr Privatleben zu schützen. Dieser Schutz der Privatsphäre ist in Zweifelsfällen regelmäßig abzuwägen gegenüber dem berechtigten Interesse der Öffentlichkeit am Lebenswandel von “absoluten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte”, wie es im Medienrecht immer wieder so schön heißt. Mit anderen Worten: Man trifft sich im Zweifel vor Gericht. Daß Medien durchaus zu zweifelhaften Mitteln greifen dürfen, wenn es darum geht, größere Mißstände aufzudecken, hat das Bundesverfassungsgericht wiederholt bestätigt.

Daß eine Story zum Privatleben von Horst Seehofer (CSU) oder Franz Müntefering zündet, ist klar. Ob es ein größerer Mißstand ist, dass Politiker eine Freundin haben, mag bezweifelt werden, gehört aber bei Parteichefs mit moralischen Vertretungsansprüchen sicher auf den Prüfstand. Medien, die von Privatdetektiven geschossene Bilder veröffentlichen, stehen ggf. deshalb auch am Pranger – oder vor dem Richter. Daß Politiker, die sich sonst sehr gerne der Medien bedienen, um sich im Ruhmesglanz zu sonnen, auch die Schattenseiten des Ruhms ertragen müssen, ist ebenso klar.

Spannend an dem Clinch aber bleibt die Frage: Cui Bono? Warum kommt der Stern (Gruner & Jahr) also heute mit einer Story über “unlautere Methoden” der BUNTEN (Burda)? Und warum mit einer Anklage gegen ausgerechnet die Agentur, die nach eigener Aussage ja auch für den Stern selbst arbeitet? Möglicherweise ja mit ähnlichen Methoden – was wir nach dem CMK-Dementi ja nun nicht einfach behaupten wollen? Wir fragen den Stern: Was treibt Euch also, jetzt die Bunte zu vermöbeln? Hat die BUNTE dem STERN eine Story weggeschnappt? Oder ist das Ganze tatsächlich ein “riesiger Bespitzelungsskandal”, angezettelt von der BUNTEN? Und wenn die CMK-Aussage, es könne sich bei solchen Methoden nur um ehemalige Freischaffende handeln, stimmt – warum fehlt diese Aussage dann in der STERN-Story? Und was sagen eigentlich die betroffenen Politiker zu dem Bespitzelungsskandal?

Insgesamt ist die Story wohl dazu angetan, schlaglichtartig die Methoden zu beleuchten, mit denen manche sogenannte Berufskollegen halt auch unterwegs sind. Der Kampf um Auflagen und Werbeerlöse wird härter, da müssen Reißer-Stories her, die mächtig viel Staub aufwirbeln. Medien leben eben durchaus auch vom permanenten Aufschrecken der geschätzten Leserschaft – und wir alle “gieren” ja auch nach solch wunderbarem Geflüster und Gemunkle über die ach-so-delikat-pikanten Details aus Promis Nachtleben, um uns dann um so moralischer zu entrüsten. Am nächsten Tag ist alles wieder, wie es war, und es darf getrost eine “neue Sau durch’s Dorf getrieben” werden. Ach, herrlich lebt sich’s in Heuchlerland, wo Höflinge und Wasserträger sich dran ergötzen, wenn bei Hofe wieder mal ein Großer durch Geraune zum Straucheln hin gestoßen wird, gerade dann, wenn dieser Große, der gestern noch im Lichte strahlte, uns armen Kleinen zuvor gewaltig noch Leviten las.

Nachtrag vom 25.2.2009: Die BUNTE, die für den Auftrag an CMK laut aktuellen Presseveröffentlichungen 250.000 (!) € an CMK bezahlt haben soll, will jetzt den STERN verklagen. Die BUNTE verweist übrigens, daß die Zahl der verkauften Auflage am Kiosk mittlerweile am STERN vorbeigezogen sei – und der STERN deshalb auf die BUNTE einschlage. Leute, Leute, laßt doch den Sch.., das freut wieder nur Eure Anwälte, bringt lieber neue Bilder von Promis beim delikaten Nachtleben – we all want to see that, right? (Das war Ironie).

P.S.: Kaufe mir weder BUNTE noch STERN – wer 250.000 für derlei Schwachsinn ausgeben kann, hat viel zu viele Leute, die so einen Quatsch finanzieren!

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One Response to “ Bespitzelung von Seehofer, Müntefering, Lafontaine? ”

  1. Longos on 24. Februar 2010 at 21:22

    “Wunderbar ” …endlich kommen alle Wahrheiten auf den Tisch ! ohohoh..wir freuen uns schon auf diverse CDS die demnächst angeboten werden!
    Wie war das mit Artikel 1 ? Ach ja..interessiert uns nicht! Bis es halt richtig kracht!( Lady Di )
    Armes Deutschland! Jetzt ist es endgültig an der Zeit mit dem Besen zu kehren..Politiker hebt endlich euren Arsch und schafft die richtigen Gesetze….Die größte Gefahr für den Weltfrieden sind nunmal die Medien! Sie manipulieren im Sinne der Marktwirtschaft , aber gleichzeitig zerstören sie das wichtigste…die Lebensfreude!!!!

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