Bahn: Facebook gesichtslos – Chefticket als Nullnummer

26. Oktober 2010
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Die Bahn hat’s weiß Gott nicht leicht. Da baut sie endlich mal wieder einen neuen schönen Bahnhof in Stuttgart – und alle Bäumchenfreunde schreien auf – vorneweg Vorzeigegrüne mit Stuttgartvilla an Hanglage, die sonst immer “pro-Bahn” sind. Sei’s drum, selber schuld, könnte man dem Staatsmonopolisten, der sich heute als AG tarnt, zurufen, wer sich  bei der Unternehmenskommunikation keinen “Troll-Beauftragten” leistet, muss sich halt mit vielen kleinen Trollen herumschlagen. Also springt die Bahn, die Getriebene, auf den nächsten Zug – Facebook, und itzo: das “Chef-Ticket”. Buchbar ab 25. Oktober, heißt es da, prompt möchte ich’s buchen, gewissermaßen Facebuchen, doch ällebätsch: Das Ganze geht nach hinten los. Nicht nur ist das 25-Euro-Ticket “für ganz Deutschland”  jetzt plötzlich doch nicht ab 25. Oktober zu bekommen wie angekündigt (hatte die Bahn ja sowieso wieder im Verdacht, daß sie wieder eine solche PR-Gag-Ente platziert, um Aufmerksamkeit zu gewinnen). Nein: Das Ticket gibt’s, behauptet die Bahn nun widersprüchlich auf der eigenen Buchungsseite, wohl später: “Das Angebot Chefticket gilt nur zwischen dem 1.11.2010 und 15.12.2010.” Nun könnte man das Ganze ja schlicht und erneut als Bahn-Windbeutel abtun, wie man sie ja schon oft erleben durfte und via Bahn-Website ja auch kennt (immer wennste buchen willst, ist kein Ticket zum Werbebrüllpreis verfügbar).

Allerdings schafft es die Bahn jetzt in klassischer Großkonzernmanier doch prompt, auf Facebook völlig abzutauchen und die Trolle und empörten Bahnkunden fröhliche Urständ feiern zu lassen. Zitat z.B. von soeben:

“Wieder ein Tag im Chaos mit dem schlechtesten Dienstleister Deutschlands. Wenn man hier nicht .jeden morgen wie ein Mantra zu sich selbst sagt: Für die Umwelt – nur für die Umwelt, könnte man glatt Amok laufen. Trotzdem richtig wenn Ihr streikt – Ausbeutung war gestern, auch wenn es wieder an uns Pendlern hängen bleibe…”

Na, und wo bleibt die Unternehmenskommunikation alias “Troll-Media-Manager” der Bahn? Da schweigt des Bahners Höflichkeit. Wieso sollte man auch alte Gleise verlassen und plötzlich mit Kunden in den Dialog treten? Nun, die Bahn ist mit diesem Beispiel ja nicht allein, auch andere Großkonzerne machen ja immer wieder gerne vor, was sie so unter “Social Media” verstehen: Einen “Roll-Out” einer “Social-Commerce”-Kampagne. Da kann man “besser und mehr verkaufen”, ergo müllen einen die meisten Kommunikationsabteilungen und Profi-Spammer der MLM-Welt gerne zu mit überflüssigen, lästigen, nichtssagenden Heißluft-Angeboten zu, damit sie dann dem doofen Vorstand (der von moderner Technik nur mit viel Glück ein bißchen was versteht) irgendwas von “Leads” und Klickzahlen vorsabbeln können.

Blöd nur, wenn die sogenannten Kommunikationsprofis zur Linken nicht wissen, was die Produktprofis zur Rechten so treiben – dann endet das Ganze halt: wie bei der Bahn. Im völligen Durcheinander, Info-Chaos und hilflosen Vor- und Zurückgerudere. Das “Chefticket” ist dabei nur Synonym für eine grassierende Seuche, die das ganze Land befallen zu haben scheint: Je dümmer, desto laut, je unsinniger, desto besser. Nach diesem Motto wird hierzulande leider allzuoft nicht nur “Unternehmenskommunikation” betrieben (die die meisten immer noch mit plumper Reklame verwechseln), sondern, schlimmer: auch Politik.

Ich für meinen Teil setze mich jetzt wieder auf meinen persönlichen “Chefhocker” und arbeite. Das würde ich übrigens auch mal der Bahn empfehlen – explizit dem Vorstand, der leider ein weiteres mal völlig ahnungslos wirkt. Oder ist das jetzt der neue “Business-Life-Style”: Doof, aber in jedem Fall dabei ??!!

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