Arnold, Siemens und die Japan-Kredite

14. September 2010
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Schwarzenegger lässt es wieder mal krachen. Der Gouverneur von Kalifornien brach am vergangenen Donnerstag zu einer 6tägigen Reise nach Asien auf, wo er gleich drei superschnelle Eisenbahnverbin-dungen ausprobiert. Der frühere Haudrauf-Star und Bodybuilder hat 100 Topleute aus Hollywood, der Tourismusbranche und Silicon Valley dabei. Er will sich in Asien als “salesman in chief” präsentieren und Kaliforniens Produkte anpreisen.

Angesichts eines sich abzeichnenden Handelskonfliktes mit China und eines taufrischen bilateralen Han-delsabkommens mit Südkorea keine schlechte Idee. Doch das wichtigste Projekt, über das Schwarzen-egger mit Regierungschefs und Ministern in Seoul, Peking und Tokyo redet, ist ein Import, ein Bullet Train.

Die Reise des Gouvernators findet in den US-Medien starken Niederschlag. Geht es doch in erster Linie um das 40-Mrd.-Dollar-Projekt einer Hochgeschwindigkeitsstrecke von San Francisco nach Los Angeles. Obwohl Kalifornien im laufenden Haushalt 19 Mrd. Dollar Defizit ausweist, will es schon 2012 mit dem Bau der Strecke beginnen. Sie soll in einer zweiten Phase einmal bis San Diego ausgebaut werden.

Wie massiv das Projekt ist, zeigen die Projektionen: Bis 2035 sollen auf der Schnellstrecke jährlich 39 Mill. Passagiere befördert werden. In der Bauphase sollen 160.000 Arbeitsplätze entstehen, später 450.000 permanente Arbeitsplätze.

Hier eine Illustrierung des Milliarden-Projektes auf der Webseite der California High-Speed Rail Authority:

Hierfür hat der Bundesstaat 2,3 Mrd. aus dem 8 Mrd. Dollar umfassenden Topf der Obama-Administration für High Speed-Zugverbindungen im Land bekommen. Es ist der größte einzelne Etatposten im gesamten Obama-Programm.

Bloomberg meldet, dass Japans Verkehrsminister Seiji Maehara zu Wochenbeginn Kredite angeboten hat, um beim Bau der Strecke zu helfen. Ein gutes Verkaufsargument, gelten doch die Japaner mit ihrer Technologie als zuverlässig aber teuer.

Die Chinesen trumpfen dagegen auf der Preisseite auf. Und mit einem Geschwindigkeits-Weltrekord, den sie auf der jungen Super-Schnellstrecke zwischen Peking und der Hafenstadt Tianjin aufgestellt haben, kann das Reich der Mitte ebenfalls trumpfen.

Kalifornien, so berichtet Bloomberg, habe asiatische Firmen, darunter die East Japan Railway, die China South Locomotive & Rolling Stock Corp. sowie die Hyundai Rotem Co. ermuntert, für das Projekt zu bieten. Insgesamt würden bei den Amerikanern etwa 10 Angebote erwartet.

Doch wo immer man nachliest, der Name Siemens taucht derzeit in Bezug auf das Projekt nicht häufig auf. Trotz der langen Erfahrung als Weltklasse-Zuganbieter fällt der Name in den US-Medien nicht so oft wie er es sollte, wo es doch jetzt in eine heiße Phase geht. In verschiedenen Zeitungsberichten in den USA liest man den Hinweis, europäische Technologie sei teuer und die Chinesen hätten sich ja in punkto Technologie kräftig bei Siemens und Alstom in ihren chinesischen Joint Venture-Firmen bedient. Das klingt so wie: Aus China kriegt Ihr das genauso gut, aber billiger.

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Komisch: Selbst auf der Webseite der California High-Speed Rail Authority muss man nach dem Namen Siemens suchen, obwohl der neue Chef der Behörde, Roelof van Ark, der im Mai sein Amt antrat, zuvor Nordamerikachef von Alstom war und auch jahrelang als Projekt-Ingenieur und Manager für Siemens in Deutschland und Südafrika fungierte, schließlich sogar als CEO von Siemens Transportation Systems in Sacramento, von 1999 bis 2002. In der Online-Bibliothek der Behörde findet sich nur der Hinweis auf eine Präsentation, die Siemens-Manager am 7. Mai 2002 über die ICE-Technologie machten.

Wer auf Google die Suchworte “Siemens”, “Kalifornien” und “California High-Speed Rail Authority” eingibt, bekommt ebenfalls nicht besonders viel.

Auch im “California High-Speed Rail Blog” wird man nur bedingt fündig. Siemens wolle den zusätzlichen Bau von Zugteilen in seinem Werk in Sacramento zugesagt haben, falls es bei der Strecke zum Zug komme. Details darüber gibt es nicht.

Man muss in der Suchmaschine auf der Siemens-Webseite graben, um schließlich fündig zu werden. In einer Pressemitteilung vom 18. Februar 2010 kündigt der deutsche Konzern an, er werde als Reaktion auf die Hochgeschwindigkeits-Pläne der Obama-Administration seine Produktion in den USA ausbauen, um den künftigen Bedarf für Züge und Schienenweg-Infrastruktur zu decken.

“Wir applaudieren der Obama-Administration zur Entscheidung, das Netz von Hochgeschwindigkeits-Zügen zu bauen”, heißt es dort, “Siemens ist bereit, nicht nur seine bewährte Technologie für Hochge-schwindigkeits-Züge auf den US-Markt zu bringen, sondern hier in den USA zu fertigen”.

Neben der existierenden Fabrik in Sacramento seien 20 weitere acres (80.940 qm) für eine Expansion gekauft worden. Auch die zusätzliche Stromversorgung aus erneuerbarer Energie werde bereit gestellt. Siemens gilt in den USA als Marktführer für leichte Schienenfahrzeuge – Stadtbahnen, S-Bahnen, Nahverkehrszüge etc. – mit einem Anteil von 50% an der aktuellen Produktion. Der Münchener Konzern stellt seine Technologie – vor allem das Modell Valero, mit dem es Weltmarktführer bei vergleichbaren Zügen ist – auf einer eigenen Webseite vor und zeigt, wie gut es auf das Riesenprojekt vorbereitet ist.

Doch gemessen an dieser prächtigen Marktposition ist die Sichtbarkeit des Unternehmens als poten-zieller Lieferant für die Hochgeschwindigkeitsstrecken wie in Kalifornien und Florida derzeit zu gering. Hoffentlich nicht zum Nachteil des Konzerns.

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