Ackermann bestätigt "Griechenlandunterstützung" indirekt als Bankenhilfe und setzt sich mit Bankingbashing-Klischees auseinander

14. Mai 2010
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Bereits in der letzten Woche zeigten sich viele Beobachter skeptisch angesichts des mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit verkündeten “Beistands” deutscher Institute für Griechenland (siehe dazu Die Bankensichselbsthilfe für Griechenland = Finanzmarktstabilisierungsgesetz 2.0). Nun bestätigt ausgerechnet der in der vergangenen Woche seiner Kooperationsbereitschaft gerühmte Chef der Deutschen Bank Dr. Josef Ackermann diese Unterstützung als reine PR-Maßnahme.

Letzte Woche ließ sich Ackermann gern etwa vom Handelsblatt feiern mit “Ackermann-Zusage: Deutsche Banken helfen Athen mit „beträchtlichen Summen“. So entstand beim flüchtigen Beobachter “ der Eindruck, Banken seien plötzlich großzügig geworden. Diesen Eindruck, den viele Banken vielleicht selbst gar nicht vermitteln wollten, haben allerdings nur wenige eingeordnet und entsprechend relativiert. Tatsächlich handelte es sich bei den vergangenen Woche versprochenen “Zusagen” nicht um großzügige Beiträge, sondern um bankpolitische Notwendigkeiten.

Dies hat nun indirekt Ackermann bestätigt. Er erwartet, dass Griechenland nicht die Kraft habe, seine Kredite in vollem Umfang zurückzuzahlen. Dies jedenfalls hat er in einem Interview bei “Maybrit Illner” gesagt und dafür weltweit Schelte erhalten.

Illner konfrontiert ihn übrigens auch mit der “Selbstlosigkeit” des Konzepts. Genüsslich spielen Illners Redakteure dazu Beiträge von unvermeidlichen Experten wie Hans Werner Sinn und Wolfgang Gerke ein, die deutlich machen, dass die Banken keinen substantiellen Beitrag leisten. Sie verschweigen, dass die Institute gar keinen freiwilligen Beitrag leisten können, wenn sich nicht die Vorstandschefs der Untreue verdächtig machen wollen. Erst bei Zahlungsunfähigkeit können sie über einen Schuldverzicht nachdenken. Diese Zahlungsunfähigkeit hat aber nun gerade die europäische Politik abgewendet.  Damit gibt es quasi keinen legalen Weg mehr für die Finanzinstitute, einen “freiwilligen” Beitrag zu leisten.

Ackermann bestätigt in dem Interview mehrfach indirekt, dass die Hilfe für Griechenland letztlich auch eine Hilfe für die Finanzbranche war, denn viele Institute hätten hohe (Teil-)Zahlungsausfalle gar nicht verkraften können.

Ansonsten lohnt ein Blick in das Interview, denn Illner fährt die ganze Bandbreite der aktuellen Bankingbashing-Klischees gegen Ackermann auf, der wie so oft in den vergangenen 24 Monaten, mal wieder den Kopf für die Branche hinhält. Das macht er einmal mehr ausgesprochen souverän, sachlich und vor allem ohne Ausflüchte. Sogar zu mehrfachen Applaus rafft sich das Publikum auf.

Das Interview bestätigt aber auch die Defizite in der öffentlichen Wahrnehmung vieler Aktivitäten auf den Finanzmärkten. Und diese Wahrnehmungsdefizite kann nicht allein der ständig den Kopf hinhaltende Josef Ackermann ändern.

Weitere Berichte und Kommentare zum Interview

Egghat: Ackermann: "Ich werfe 8 Mrd. in ein Fass ohne Boden"

FAZ: Ackermann pessimistisch – Kaum Chancen für Griechenland: Wird Griechenland irgendwann einmal seine Schulden an EU und IWF zurückzahlen können? Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagt: wahrscheinlich nicht. Trotzdem sei es richtig gewesen, Griechenland zu retten, ansonsten hätte die Krise zu „einer Art Kernschmelze“ geführt.

HB: Griechenland-Debatte: Wirtschaftsforscher greift Ackermann an

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