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“Was haben diese Leute für eine Zeit für einen solchen Quatsch – wer soll das alles lesen?!”, höre ich dieser Tage immer wieder. Und natürlich: Die Pflege eines eigenen Unternehmensblogs – zusätzlich zur Firmenwebsite erfordert zusätzlichen (zeitlichen) Aufwand, den man sich natürlich gerne ersparen würde. Glaubt man der neuesten Studie von Burson-Marsteller, so nutzen 54% der Fortune 100 Unternehmen Twitter, um Ihre Stakeholder direkt anzusprechen, 32% suchen den Kontakt über Blogs, gefolgt von 29%, die auf Facebook Fan Pages setzen. Besonders erstaunlich: Obwohl Twitter die jüngste der drei genannten Social Media Plattformen ist, ziehen 76% aller im Web 2.0 aktiven Firmen Twitter den anderen beiden Kanälen vor.
Nicht überraschend jedoch, so Burson-Marsteller weiter, dass alle BtC-Firmen in der Interaktion mit Verbrauchern verstärkt auf Twitter setzen. Hierzu zählen u.a.:
- Einzelhandelsketten wie Walmart und Sears,
- Fachhändler wie BestBuy und Lowe’s,
- Telekommunikationsanbieter, wie Verizon oder AT&T.
Viele Firmen nutzen durchaus mehrere Twitter Kanäle. So hat etwa AT&T spezielle Kanäle für Kleinunternehmen, Mobile Music, News oder Jobangebote.
94% aller Fortune 100-Unternehmen senden übrigens über ihre Twitter Kanäle Unternehmensnachrichten und Pressemeldungen, während 67% Twitter wenigstens teilweise im Kundenservice einsetzen.
Aus meiner persönlichen Sicht gibt es 10 Gründe, warum Unternehmen neben der Nutzung des Mikro-Blogging-Dienstes Twitter, Facebook und Youtube insbesondere auch ein eigenes Unternehmens-Blog einsetzen sollten:
1.) Dialog statt Monolog: Ein Weblog Ihres Unternehmens ergänzt Ihre Firmenseite mit zusätzlichen Informationen und bietet eine deutlich bessere Möglichkeit zum Dialog mit Ihren Anteilseignern, Investoren, Partnern und – nicht zuletzt – Ihren Kunden.
2.) Expertenstatus untermauern: Auf einem Corporate Blog können Sie detaillierter auf Branchen-Nachrichten, Best-Practices, Bugs und Pannen insgesamt eingehen, als Sie es vielfach auf der eigenen Unternehmensseite können – die ja zuallererst einen Überblick über Ihr komplettes Leistungsspektrum geben soll.
3.) Themen und Inhalt statt Bauchnabelperspektive: Weil ein Corporate-Blog sich eher an Themen als an unternehmensspezifischen Unternehmensmitteilungen orientiert, steigt die Chance, daß Sie von Kunden gefunden werden, die Ihr Unternehmen bisher gar nicht kannten – Überlegen Sie: Wenn Sie nach einem Suchbegriff suchen, dann “googeln” Sie schließlich auch. Weil Sie in einem Blog aber viel mehr Themen anschneiden können als in dem engen Korsett der Unternehmenswebsite, landet ein Blog vielfach sehr schnell in den oberen Rängen bei Google. Sogenannte Tag- (Keyword-)Wolken erleichtern die Auffindbarkeit Ihrer Postings zusätzlich.
4.) Suchmaschinenoptimierung: Wenn Ihr Unternehmensblog zusätzlich auf einem anderen Server gehostet wird (als eine Art Mikrosite), können Sie von dort aus zu Ihrer Unternehmenssite linken – und zurück. Auch das steigert Ihr Google-Ranking.
5.) Besserer Austausch: Ein Corporate-Blog bietet Ihren Lesern die Möglichkeit zur Online-Diskussion, Kommentierung, Ping-Backs und eigenen Aufnahme in Ihre “Blog-Roll”, d.h.: ein Blog ist deutlich mehr auf Dialog getrimmt, als es eine Unternehmensseite naturgemäß sein kann, weil Unternehmenskommunikation gerade hierzulande vielfach noch von einer großen Schwerfälligkeit geprägt ist: Solange Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzende oder ein Pressesprecher alleine über Publikation oder nicht entscheiden (die sich mühselig erst im ganzen Hause rückversichern müssen, “ob das alles auch so stimmt”), ist längst die Diskussion über ein Branchenthema – oder Ihre Firma – ganz woanders entbrannt. Ein Blog bietet Ihnen die Möglichkeit, die Diskussion dorthin zurückzuholen, wo sie hingehört: ins unmittelbare Umfeld Ihres Unternehmens – ohne, daß Sie damit Alleinvertretungsanspruch auf “die eine und einzige Wahrheit” reklamieren (den Sie sowieso nur in den seltensten Fällen haben dürften).
6.) Dampf-Ablass-Funktion: Während um Ihre Unternehmens-Website aus guten Gründen vielfach streng überwachte Sicherheitsmauern gezogen sind (Firewall, hochkomplexe Programmierung), erleichtert es Ihnen ein eigenes Corporate-Blog, im Gespräch zu bleiben und Argumente auszutauschen. Jeder weiß, daß unzufriedene Kunden wesentlich häufiger über ihre schlechten Erfahrungen sprechen als zufriedene Kunden. Im Zeitalter von immer mehr Beschwerdeplattformen und Communities ist es überdies sehr leicht für den Einzelnen geworden, seinem Ärger im Netz Luft zu machen. Wie lange aber dauert es, bis Sie heute auf Negativ-Postings über Ihr Produkt, Ihre Dienstleistung oder Ihre Umsetzungspraxis reagieren können? (Natürlich können Sie ein solches Blog auch auf der eigenen Unternehmensseite integrieren – aber unzufriedene Kunden haben ja meist gerade keine Lust, ausgerechnet bei Ihnen Ihren Frust abzuladen – viel leichter geht es im Freundeskreis – oder eben der eigenen Community, oder: wenn ich als Kunde mitbekomme, daß ich Ihnen “mal so richtig die Meinung sagen kann”: dann eben auf Ihrem Blog!
7.) Do what you do best – and link the rest: Durch die moderne Funktion des “Sharing” – also des Weiterleitens bzw. -verteilens von interessanten Inhalten können Sie auf Ihrem eigenen Unternehmensblog sehr viel leichter Fremdinhalte nutzen, die zum Einbetten (“Embedding”) freigegeben sind. Youtube-Videos anderer Anbieter, Slideshare-Präsentationen, Mindmeister-Mindmaps o.ä. – diese alle lassen sich auf den üblichen Unternehmenswebsites wg. der geforderten IT-Sicherheit häufig gar nicht nutzen – im Blog aber durchaus.
8. Teaser-Funktion: In Kombination mit dem Mikroblogging-Dienst Twitter können Sie Ihre “Follower” zusätzlich auf neue Postings in Ihrem Blog aufmerksam machen. Damit lenken Sie zusätzlichen Traffic auf Ihren guten Namen. Blog-Einträge erzielen so häufig zusätzliche Wirkung als “Appetit-Anreger” – und locken Neugierige an, die so erfahren möchten, was es “da denn gibt!”
9. Mobilität: Mal ehrlich: Wie sieht Ihre Website auf einem Smart- oder iPhone aus? Ist Ihre Seite dafür schon optimiert? Tatsache ist: Immer mehr Menschen wollen, sollten oder müssen eben auch unterwegs rasch auf Ihre Informationen per Multitouch-Technologie zugreifen können. Mit einem Blog z.B. via WordPress, Blogger o.ä. müssen Sie sich über den mobilen Look Ihres Informationsangebotes nicht allzuviel Gedanken machen: Fertige Templates (Layoutvorlagen bzw. “Themes”) erleichtern Ihnen die Darstellung Ihres Blogs ohne besonderen Aufwand.
10. Verbesserung der internen Kommunikation: Während in den meisten Unternehmen die vielfach extrem teuer eingekaufte Firmen-Website häufig immer noch behandelt wird wie der Heilige Gral, den niemand außer wenigen Sonderbefugten anfassen darf, liegt bei einem Unternehmensblog die Kontaktschwelle deutlich niedriger: Hier darf man kommentieren, posten, löschen, “sharen” (via Twitter, Facebook, digg, youtube etc.) und rückverlinken nach Herzenslust (Spammer natürlich ausgenommen). Für Mitarbeiter heißt dies, daß Sie ab sofort selbst posten können, ohne daß damit gleich der Alleinvertretungsanspruch des Chefs oder der heiligen Unternehmenskommunikation in Gefahr geriete. Wenn Sie ein paar einfache Grundregeln für das Posting für Ihre Mitarbeiter aufstellen (keine Schmähkritik ans eigene Haus), machen Sie diese zu Mitstreitern Ihrer Kampagne – versuchen Sie mal, alles allein zu machen, wenn andere mit ganzen Teams antreten!
Zusammengefasst: Wenn Sie Ihr Blog starten, lassen Sie sich natürlich dauerhaft ein auf eine deutlich dialog-orientiertere Kommunikation mit Einzelnen als bisher. Das können Sie lassen, “weil es Mühe macht” und gewisse Risiken birgt. Die Chancen dafür, daß Ihr Unternehmen aber plötzlich ganz anders: offener, moderner und damit vertrauenerweckender wahrgenommen wird, überwiegen aus meiner Sicht aber eindeutig! – Detlef Korus
Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht bei KORUS-CONSULT und im DACHS-BRIEF

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